19/02/2012

Gesundheitliche Perspektiven von Frauen

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1.) In wie fern ist die Genderperspektive in der Gesundheitswissenschaften relevant?

Vorab: man unterscheidet biologisches Geschlecht: Sex und soziales Geschlecht: Gender

Gender Definition:

Gender bezeichnet zum einen die soziale Geschlechtsrolle (gender role) beziehungsweise die sozialen Geschlechtsmerkmale. Es bezeichnet also alles, was in einer Kultur als typisch für ein bestimmtes Geschlecht angesehen wird (zum Beispiel Kleidung, Beruf und so weiter); es verweist nicht unmittelbar auf die körperlichen Geschlechtsmerkmale (sex).

Zum anderen bezeichnet Gender auch die Geschlechtsidentität.

Gender bezeichnet ein von sozialen und kulturellen Umständen abhängiges Geschlecht; es ist daher eine soziokulturelle Konstruktion.

Die Relevanz für die Genderperspektive in den Gesundheitswissenschaften ergibt sich insofern, als dass Männer und Frauen einfach unterschiedlich sind, - und immer bleiben werden. Die beiden Gender finden in der Gesellschaft unterschiedliche Lebensbedingungen und Chancen vor, entwickeln aufgrund der geschlechtsspezifischen Sozialisation unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse und sind von gesellschaftlichen Prozessen und deren Auswirkungen unterschiedlich betroffen.

Auch zeigten Veröffentlichungen von verschiedenen Gesundheitsberichten, dass Männer und Frauen sich in ihrem Gesundheitszustand, der Wahrnehmung des Gesundheitzustandens und in zahlreichen Aspekten der gesundheitlichen Versorgung unterscheiden. Beispiele: Herzinfarkt nimmt bei Frauen und Männern einen geschlechtsspezifischen Verlauf, oft werden die Symtome bei Frauen nicht als Herzinfarkt erkannt, bzw. werden die Symptome in Abhängigkeit des Geschlechts vom ärztlichen Personal unterschiedlich bewertet.

Frauen sprechen anders über ihre Beschwerden, weil diese auch anders wahr genommen werden: bei Männer oft rein körperliche Symtombeschreibung, Frauen betten Beschwerden öfter in psychosoziale Zusammenhänge ein. Auch auf Seiten der ÄrztInnen führt diese eben beschriebene Tatsache dazu, dass bei Frauen psychosomatische Aspekte in die Diagnostik einfließen, während bei Männern Beschwerden in rein somatische Kategorien erfasst werden. (schwartz S. 642- 653)

Einen weiteren Punkt, ist die Durchführung von klinischen Studien für diverse Medikamente, die es noch immer gibt, bei denen keine Rücksicht auf das Geschlecht genommen wird bzw. auf den komplexen Zyklus einer Frau keine Rücksicht genommen wird.

 

2.) Welche Ziele können für die Gender Medizin Definiert werden.

Ergeben sich aus den oben beschriebenen Beispielen

Geschlechtersensible Medizin:

  • Abklärung der unterschiedlichen Diagnostik bei Männern und Frauen notwendig
  • Unterschiedliche Kommunikation. Zwischen ÄrztIn und PatientIn
  • unterschiedliche soziale Rahmenbedingungen. Orientierung der Lebensgeschichte, nicht nur an Symptomen der Frau/des Mannes (biopsychosoial)

Fakt ist, dass es trotz Verbesserungen im Gesundheitssystem noch immer  Ungleichheiten in Gesundheit und Krankheit und im Zugang zur gesundheitlichen Versorgung gibt. Handlungsbedarf auf der wissenschaftlichen Ebene  => Ebene der Theoriebildung, als auch auf der Ebene des Versorgungssystems in eine geschlechtergerechte und geschlechtersensible Richtung

Ansatz Gender Mainstreaming:

Der Begriff Gender Mainstreaming („Etablieren der Perspektiven sozialer Geschlechter“, „geschlechtersensible Folgenabschätzung“, „Integration der Gleichstellungsperspektive“, „durchgängige Gleichstellungsorientierung“) bezeichnet den Versuch, die Gleichstellung der Geschlechter auf allen gesellschaftlichen Ebenen durchzusetzen (Wikipedia)

=> wurde von der EU schon etabliert

=> wünschenswert dieses Prinzip auf Gesundheitspolitik, - forschung und praxis zu etablieren

  

3.) Die Medikalisierung der Lebensphasen und ihre Spezifika für Frauen

Medikalisierung der Lebensphasen:

Mädchengynäkologie, Schwangerschaft, Verhütung, Abtreibung, ungewollte Kinderlosigkeit, Hormontherapien und Hysterektomie.

Spezifika von Frauen:

  • Gesundheitliche Bedürfnisse
  • Sozialen Rollen: Zuschreibung, die sie unterschiedlich akzeptieren, z.B. Verantwortlichkeiten für Gesundheit(Eigene und die der Angehörigen)
  • Lebensphasen: jeweils unterschiedlich
  • Sozialer Status, Zivilstatus, Ethnie, Religion und Erwerbstätigkeit

Der Begriff «Medikalisierung» bezieht sich nicht nur auf dieVerschreibung von Medikamenten, sondern meint einen Prozess, in dem sich die Medizin für die Begleitung in (körperlichen) Umbruchphasen zuständig erklärt, bei dem die Verantwortung für normale Körperprozesse in die Hände der Medizin gegeben werden. Dass dies tatsächlich gelingt, kennzeichnet die Mact der Medizin, aber auch die Definitionsschwäche anderer sozialer Gruppen und Institutionen.

Gut dokumentiert ist diese Entwicklung für die Betreuung von Schwangerschaft und Geburt, die sich von einer von Hebammen geleiteten Geburtshilfe zur Geburtsmedizin gewandelt hat. Die Medikalisierung lässt sich aber auch für andere Lebensphasen aufzeigen. Frauen im mittleren Lebensalter sind hier von vor allem in zwei Bereichen betroffen: bei der De-

finition der Wechseljahre als «Hormonmangelkrankheit» und der daraus resultierenden Verschreibungvon Hormonpräparaten zur Prävention von Osteoporose, Herzkreislaufkrankheiten und der Alzheimer`schen Erkrankung ohne empirische Evidenz.

Im Zentrum der Betrachtung sollen im folgenden die drei wesentlichsten Akteurinnen und Akteure stehen: die pharmazeutische Industrie, die Ärztinnen und Ärzte sowie die Frauen als Patientinnen. Zwischen diesen lässt sich eine komplexe Interaktion ausmachen.

  • Die Motive der pharmazeutischen Industrie sind die Sicherung bestehender und die Erschlissung neuer Absatzmärkte.
  • Die motive der Ärztinnen und Ärzte sind vielfältig.

-Sie möchten den Patientinnen helfen. Aber sie haben zu wenig Zeit für eine „ evidence-based-medicine“ durch Informationensammeln und Vergleichen.

-Einfluss von Geschlechterstereotypen auf die Verschreibung. Trotz vergleichbarer Beschwerden werden Frauen anders behandelt als Männer, weil sie anders über ihre Beschwerden reden.

-Aspekte der Ökonomie: Frauen, die regelmäßig die Praxis aufsuchen, sind gute Kundinnen.

-Zeitliche Aspekt: wenig Zeitaufwand durch rezeptvergabe.

  • Frauen sind nicht nur Opfer der Medikalisierung, in vielen Fällen fordern sie diese aktiv ein, weil sie mit dem Wunsch nach einer Arzneimittelverordnung in die Praxis kommen. Die Motive hierfür sind vielfältig.

-wünschen und versprechen sich eine Linderung ihrer Beschwerden durch psychotrope Substanzen.

-Hintergrund dieser Beschwerden: besondere Überlastungen vieler Frauen durch geschlechtstypische Anforderungen von Familie und Beruf

-Arbeitslosigkeit als entscheidender Faktor für die Problematik von Frauen im mittleren Lebensalter und den Griff zu Schlaf- und Beruhigungsmitteln

-weitere Faktoren: geschlechtsspezifische Art von Frauen über ihre Probleme zu sprechen, medizinische Sozialisation von Fraue d.h. die Erfahrung , dass körperliche und physische Umbruchsphasen in der Hände der Medizin gehören, eintretende Entlastung durch eine medizinische Diagnose und Einfachheit der medikamentösen Therapie.

 

4.) Was brachte das Gesundheitsreformgesetz 2005?

Die Gesamtverantwortung zur Finanzierung und zur Steuerung im Gesundheitswesen wurde der Bundesgesundheitsagentur (mit ihrem Organ der Bundesgesundheitskommission) und der Ländergesundheitsfonds (mit ihrem Organ des Gesundheitsplattform) übertragen.

Es kam zu Gesetzesänderungen und dem Erlass von Gesetzen

Änderungen:

  • Bundesgesetz über Krankenanstalten und Kuranstalten,
  • Allgemeine Sozialversicherungsgesetz,
  • Gewerbliche Sozialversicherungsgesetz,
  • Bauern-Sozialversicherungsgesetz,
  • Beamten-Kranken- und Unfallversicherungsgesetz,
  • Sozialversicherungs-Ergänzungsgesetz,
  • Ärztegesetz 1998,
  • Bundesgesetz über die Dokumentation im Gesundheitswesen

Erlass:

  • Bundesgesetz zur Qualität von Gesundheitsleistungen,
  • Bundesgesetz über Telematik im Gesundheitswesen

Aufgrund des Gesundheitsreformgesetzes wurden in der Vereinbarung gemäß 15a B-VG  (15a Vereinbarung) Grundlagen zur Organisation und Finanzierung des Gesundheitswesens von 2005-2008 festgelegt. Es soll der Koordination der jeweiligen Gesetzgebungskompetenzen dienen.

  • Überwindung der Trennung der einzelnen Sektoren des Gesundheitswesens und Erreichung einer besseren Abstimmung in der Planung, Steuerung und Finanzierung des gesamten Gesundheitswesens
  • Längerfristige Sicherstellung der Finanzierbarkeit des österreichischen Gesundheitswesens durch Maßnahmen zur Kostendämpfung und Effizienzsteigerung bzw. Steuerung im Gesundheitswesen
  • Unterstützung von Vorsorgemaßnahmen und flächendeckende Sicherung und Verbesserung der Qualität im österreichischen Gesundheitswesen

Im Dezember 2005 wurde von der Bundeskommission der erste Österreichische Strukturplan Gesundheit beschlossen

Der Österreichische Strukturplan Gesundheit beinhaltet:

  • Eine verbindliche Grundlage für die integrierte Planung der österreichischen Gesundheitsversorgungsstruktur (BGBl. I 90/2005)
  • Die Rahmenplanung für die Detailplanung auf regionaler Ebene und/oder auf Ebene einzelner Bereich der Gesundheitsversorgung im stationären und im ambulanten Bereich sowie im Rehabilitationsbereich und an den Nahtstellen zum Pflegebereich
  • Den Sektorenübergreifenden, qualitätsbasierten Leistungsangebotsplan auf Ebene von 32 Versorgungsregionen und vier Versorgungszonen = bedarfsorientierte, integrative regionale Rahmenplanung

5.) Welche Bedeutung hat der Art. 15 a B-VG?

Der Art. 15 a B-VG ist ein Artikel der Bundesverfassung (B-VG = Bundesverfassungsgesetz), der vorsieht, dass Bund und Ländern untereinander über Angelegenheiten ihres jeweiligen Wirkungsbereiches oder Länder untereinander über Angelegenheiten ihres selbständigen Wirkungsbereiches Vereinbarungen abschließen können.

Zur Regelung der Finanzierung des Gesundheitswesens wurde zwischen dem Bund und den Ländern eine derartige Vereinbarung abgeschlossen. Die geltende „Vereinbarung gem. Art. 15 a B-VG über die Organisation und Finanzierung des Gesundheitswesens“ (im Folgenden kurz Vereinbarung) ist am 1.1.2008 in Kraft getreten und steht bis zum 31.12.2013 in Geltung.

Die geltende Vereinbarung wurde im Rahmen des vorgezogenen Finanzausgleichs verhandelt und stellt eine Fortführung der mit der Gesundheitsreform 2005 eingeleiteten Maßnahmen einer gemeinsamen Steuerung und Planung wie vor 3 Jahren begonnen dar. Insbesondere soll dabei die Kooperation zwischen den einzelnen Sektoren des Gesundheitswesens weiter intensiviert werden.

Folgende Schwerpunkte werden mit der aktuell geltenden Vereinbarung gesetzt:

  1. Beibehaltung der bisherigen Steuerungs- und Einscheidungsgremien

Bundesgesundheitsagentur mit dem Organ Bundesgesundheitskommission,

Landesgesundheitsfonds mit zumindest dem Organ Gesundheitsplattform.

Sicherstellung einer gemeinsamen integrierten und sektorenübergreifenden Planung und Steuerung sowie gesamthafte Finanzierung im österr. Gesundheitswesen durch die 3 zentralen Verantwortungsträger Länder, SV und Bund und weitere wesentliche Institutionen;

  1. Integrierte Planung im Gesundheitswesen

Österreichischer Strukturplan Gesundheit als Grundlage für die Rahmenplanung für die gesamte Gesundheitsversorgung der Zukunft

Schwerpunkt auf Planung des ambulanten Bereichs (spitalsambulant, niedergelassener ambulanter Bereich)

in der Stmk. darauf basieren der Regionale Strukturplan Gesundheit seit 2007

  1. Sektorenübergreifende Finanzierung

Voraussetzungen für eine gesamthafte Finanzierung im Gesundheitswesen;

Für die notwendigen Strukturveränderungen (verstärkte Entlastung des stationären Bereichs, vermehrte Leistungserbringung im tagesklinischen und ambulanten Bereich) sind Voraussetzungen für eine sektorenübergreifende Finanzierung zu schaffen.

  1. Modelle für bedarfsorientierte Versorgung (im ambulanten Bereich)

Einrichtung einer Arbeitsgruppe zur Ausarbeitung von Modellen für künftige Versorgungstrukturen.

  1. Weiterentwicklung und Ausbau des Reformpools

Finanzierung von Projekten aus dem Reformpool, die Leistungsverschiebungen zwischen dem intra- und extramuralen Bereich zur Folge haben, von Pilotprojekten zur sektorenübergreifenden Finanzierung des ambulanten Bereichs, Projekte der integrierten Versorgung, Projekte zum Entlassungsmanagement.

  1. Dokumentation im ambulanten Bereich

Für eine transparente Information über das Leistungsgeschehen im ambulanten Bereich.

  1. Systematische Qualitätsarbeit

Entwicklung und Weiterentwicklung von Standards, Richtlinien, Leitlinien für Struktur, Prozess- und Ergebnisqualität, Qualitätsberichterstattung.

u.a. verstärkter Einsatz von HTA (Health Technology Assessment).

  1. Weiterentwicklung und Evaluierung des LKF-Systems

Wissenschaftliche Evaluierung bis Ende 2009 – insbesondere hinsichtlich Steuerungs- und Anreizeffekte.

  1. Elektronische Gesundheitsakte

Weiterentwicklung der elektronischen Gesundheitsakte.

  1. Forcierung von eHealth im Gesundheitsbereich

Verständigung auf ein Maßnahmenbündel, die die Rahmenbedingungen für eHealth weiterentwickeln soll.

  1. Orientierung an Public Health Grundsätzen

z. B. am umfassenden Gesundheitsbegriff.

Vereinbarung einer systematischen Gesundheitsberichterstattung, Versorgungsforschung, um bedarfsorientierte Planung, Entwicklung und Evaluation zu gewährleisten. Entwicklung von Rahmen-Gesundheitszielen auf Bundesebene.

  1. Sicherstellung der Finanzierung der Krankenanstalten

Bis 2013. Zusätzliche Mittel für die Krankenanstaltenfinanzierung.

Setzung von Maßnahmen zur Kostendämpfung und Effizienzsteigerung.

6.) Was sieht der österr. Strukturplan Gesundheit vor?

Kurzversion:

  • Der Österreichische Strukturplan Gesundheit (ÖSG) ist – entsprechend Artikel 4 der Vereinbarung gemäß Artikel 15a B-VG über die Organisation und Finanzierung des Gesundheitswesens (BGBl. I Nr. 73/2005) – die verbindliche Grundlage für die integrierte Planung der österreichischen Gesundheitsversorgungsstruktur.
  • Der ÖSG stellt die Rahmenplanung für Detailplanungen auf regionaler Ebene und/oder auf Ebene einzelner Bereiche der Gesundheitsversorgung im stationären und im ambulanten Bereich sowie im Rehabilitationsbereich und an den Nahtstellen zum Pflegebereich dar. Der ÖSG ist als sektorenübergreifender, qualitätsbasierter Leistungsangebotsplan auf Ebene von 32 Versorgungsregionen und vier Versorgungszonen konzipiert und leitet damit eine bedarfsorientierte, integrative regionale Rahmenplanung ein.
  • Ziel der Gesundheitsstrukturplanung ist eine gemeinsame Planung, Steuerung und Finanzierung durch die Systempartner auf Bundes wie auf Landesebene – bei quantitativ ausreichender, qualitätsbasierter, am Versorgungsbedarf orientierter flächendeckender, regional gleichmäßig verteilter Leistungserbringung.
  • Die Umsetzung des ÖSG  erfolgt über die Landesgesundheitsplattformen.
  • Die Leistungserbringung wird im ÖSG mit qualitätsbezogenen Festlegungen verknüpft. Dazu wurden Qualitätskriterien entwickelt, die sich teilweise an der Versorgungsebene (im Sinne einer abgestuften Versorgungsstruktur), an der personellen und infrastrukturellen Ausstattung, und teilweise auch an der Mindestfrequenz von Leistungen (zur Sicherstellung entsprechender Routine) orientieren.

Langversion:

  • Der ÖSG 2006 umfasst den stationären Akutbereich mit Planungshorizont 2010, sowie die Darstellung des Ist-Standes der Versorgungsstruktur im nicht-akuten stationären Bereich der Krankenanstalten, im ambulanten Bereich (Spitalsambulanzen, niedergelassener Bereich und selbstständige Ambulatorien), im Rehabilitations- sowie im Pflegebereich auf Ebene der Versorgungsregionen und Versorgungszonen. Verbindliche Qualitätskriterien stellen einen integrierenden, wesentlichen Bestandteil der Planungsaussagen dar. Die Leistungsangebotsplanung inklusive Qualitätskriterien für den nicht-akuten stationären Bereich der Krankenanstalten, den ambulanten Bereich, den Rehabilitationsbereich bis zu den Nahtstellen zum Pflegebereich wird kontinuierlich – sobald die jeweils dafür notwendigen Datengrundlagen zur Verfügung stehen – definiert und in den ÖSG integriert werden.
  • Über den ÖSG werden auf Bundesebene grundsätzliche Planungsaussagen festgelegt. Diese Rahmenvorgaben lassen – im Sinne der subsidiären Verantwortung der Länder – eine entsprechende, dynamische Gestaltungsfreiheit für Detailplanungen auf der regionalen Ebene zu, sodass die jeweils vorhandenen Versorgungsstrukturen optimal genutzt werden können. Entscheidend ist dabei, dass alle Österreicher/innen mit gleichwertig hoher Qualität behandelt werden, sowohl unabhängig von ihrem Wohnort als auch unabhängig von Standort und Art der leistungserbringenden Einrichtung. Der integrative Ansatz ist eine Weichenstellung für Verlagerungen zwischen den verschiedenen Sektoren des Gesundheitswesens als Basis für die Umsetzung weiterer Schritte der Gesundheitsreform.

Zeitlich:

  • Die Bundesgesundheitskommission hat im Dezember 2005 die erste Fassung des ÖSG 2006 beschlossen. Der ÖSG 2006 hat den seit 1997 gültigen Österreichischen Krankenanstalten- und Großgeräteplan (ÖKAP/GGP), aktualisierte Version 2003, als verbindliche Planungsgrundlage abgelöst. Entsprechend den in der ersten Fassung des ÖSG vereinbarten, bis Mitte 2006 fertig zu stellenden Weiterentwicklungs- und Ergänzungsarbeiten hat die Bundesgesundheitskommission nunmehr am 28. Juni 2006 den weiterentwickelten ÖSG 2006 beschlossen. Es ist vereinbart, dass bis Ende 2006 als Voraussetzung für die verbindliche Umsetzung eine Einigung über die – dem Sachlichkeitsgebot entsprechende – Transformation der Qualitätskriterien für alle nicht-landesfondsfinanzierten bettenführenden Krankenanstalten erfolgt.
  • Ziel der Gesundheitsstrukturplanung ist eine gemeinsame Planung, Steuerung und Finanzierung durch die Systempartner auf Bundes wie auf Landesebene – bei quantitativ ausreichender, qualitätsbasierter, am Versorgungsbedarf orientierter flächendeckender, regional gleichmäßig verteilter Leistungserbringung.
  • Der ÖKAP/GGP allein genügte jedoch den komplexen Anforderungen an eine effiziente und effektive Steuerung der Gesundheitsversorgungsstruktur nicht mehr. Zum einen basierte er auf der traditionellen Methodik einer Standort-, Fächerstruktur- und Bettenangebotsplanung. Das Bett verliert aber sowohl als Maß für eine umfassende Versorgung als auch für Kostenverursachung – und damit als Planungsgröße – zunehmend an Bedeutung, weil Betten aufgrund der zunehmenden tagesklinischen bzw. ambulanten Leistungserbringung und der immer kürzeren Spitalszeiten kein entscheidendes Kriterium mehr darstellen.
  • Zum anderen widerspricht die detaillierte Planung nur eines Bereiches eines umfassenden Systems – nämlich des stationären Akutbereichs – systemischen, integrativen Ansätzen. Diese sind aber erforderlich angesichts der demographischen Entwicklungen und den daraus resultierenden zukünftigen Herausforderungen an die österreichische Gesundheitsversorgungsstruktur. Darüber hinaus waren die weitgehend unabhängig voneinander organisierten Versorgungsbereiche (akut und nicht-akut, stationär und ambulant, öffentlich und privat) und die dadurch entstandenen Barrieren beim Übergang von einem Bereich in den anderen, sowie Versorgungslücken einerseits und Überversorgung (Parallelstrukturen) andererseits in der Planung zu berücksichtigen.
  • Der Paradigmenwechsel in der Planung
  • Daher beschlossen Bund und Länder für die Jahre 2001 bis 2004 in der Vereinbarung gemäß Artikel 15a B-VG (BGBl. I Nr. 60/2002) die Planung, Steuerung und Finanzierung aller Sektoren, Ebenen und Teilbereiche der Gesundheitsversorgung inklusive der Beleuchtung der Schnittstellen zum Pflegebereich und vereinbarten erstmals die Verknüpfung der Planungen an Qualitätsstandards. Auf dieser Grundlage wurden die Arbeiten zur Weiterentwicklung des ÖKAP/GGP zu einem Leistungsangebotsplan in Angriff genommen.
  • Der Durchbruch erfolgte schließlich mit der Gesundheitsreform 2005 und mit der derzeit geltenden, für die Jahre 2005 bis 2008 abgeschlossenen Vereinbarung gemäß Artikel 15a B-VG über die Organisation und Finanzierung des Gesundheitswesens (BGBl. I Nr. 73/2005).
  • Entsprechend haben Bund und Länder in Artikel 3 dieser Vereinbarung eine Gesundheitsplanung vereinbart, die alle Ebenen und Teilbereiche der Gesundheitsversorgung und die angrenzenden Bereiche umfasst. Planung wird in der gesamten Vereinbarung nur mehr als integrativ, aufeinander abgestimmt und um die Weiterentwicklung des Nahtstellenmanagements erweitert verstanden.
  • Die verbindliche Grundlage für diese integrierte Planung wird gemäß Artikel 4 der Vereinbarung im Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG) festgelegt. Der ÖSG stellt – als gesamtösterreichisches Instrument der Gesundheitsplanung – die verbindliche Rahmenplanung für Detailplanungen auf regionaler Ebene bzw. auf Ebene einzelner Versorgungsbereiche sowie Versorgungszonen dar. Damit ist ein entscheidender Paradigmenwechsel in der Gesundheitsplanung eingeleitet worden: Die herkömmliche – nicht immer aufeinander abgestimmte – Kapazitätsplanung einzelner Teilbereiche der Versorgung wird durch eine gemeinsame, einheitliche Rahmenplanung abgelöst, die auf der Methodik der Leistungsangebotsplanung basiert. Die Planung umfasst somit erstmals das gesamte Gesundheitswesen und erfolgt integriert. In diesem Sinn geht der ÖSG grundlegend von der isolierten Betrachtung des Krankenhauses ab, wie sie im ehemaligen Österreichischen Krankenanstalten- und Großgeräteplan (ÖKAP/GGP) enthalten war.
  • ÖSG – die Umsetzung in den Landesgesundheitsplattformen
  • Diese Rahmenvorgaben des ÖSG lassen damit – im Sinne der subsidiären Verantwortung der Länder – eine wesentlich größere Gestaltungsfreiheit für Detailplanungen auf der regionalen Ebene zu. Basierend auf den Festlegungen im ÖSG sollen Standort- und Kapazitätsplanungen für Bundesländer und/oder einzelne Versorgungsregionen auf der regionalen Ebene erarbeitet werden. Damit sind entsprechende Festlegungen regionsnahe und auf Basis der jeweils bereits vorhandenen regionalen Versorgungsstrukturen möglich. Bereits erfolgreiche und bewährte (integrierte) Versorgungsmodelle können in der Planung ihren Niederschlag finden.
  • Der integrative Ansatz des ÖSG stellt eine entscheidende Weichenstellung für  Leistungsverlagerungen zwischen den verschiedenen Sektoren des Gesundheitssystems, etwa vom stationären in den ambulanten Bereich, dar und bildet damit die Basis für die Umsetzung und für weitere Schritte der Gesundheitsreform in den Landesgesundheitsplattformen. Der ÖSG zählt zu jenen Instrumenten, die dazu beitragen, die derzeit noch bestehende Dualität im Gesundheitswesen zwischen dem stationären und dem ambulanten Bereich bzw. zwischen dem intramuralen und extramuralen Bereich zu überwinden.

7.) Welche Anforderungen lassen sich an frauenspezifische Gesundheitsförderung stellen?

Gesundheitsförderung:

  • Gesundheitsförderung beinhaltet zwei strategische Ansätze:
  • Die Stärkung von persönlichen und sozialen Gesundheitsressourcen und –potentialen verbunden mit einer alle gesellschaftlichen Ebenen betreffenden systematischen Politik, die die Verbesserung von Gesundheitsdeterminanten und den Abbau von gesundheitlicher Ungleichheit unterschiedlicher sozialer Gruppen zum Ziel hat. Als Handlungsstragien der Gesundheitsförderung werden von der WHO benannt:

1. Anwaltschaftliches Eintreten für Gesundheit.

  • Die in der Gesundheitsförderung Tätigen treten aktiv für Gesundheit ein, im Sinne der Beeinflussung politischer, ökonomischer, sozialer, kultureller, biologischer sowie Umwelt,-und Verhaltensfaktoren.

2. Befähigen und Ermöglichen

  • Diese Handlungsstrategie zielt darauf ab, mit Konzepten wie z.B. Empowerment und Kompetenzförderung bestehende Unterschiede im Gesundheitszustand zu verringern und autonom das größtmögliche Gesundheitspotenzial der Menschen zu verwirklichen.

3.Vermitteln und Vernetzen

  • Unter Vermittlung und Vernetzung versteht man die aktive und permanente Kooperation mit allen Akteuren innerhalb und außerhalb des Gesundheitswesens. Frauenspezifische Gesundheitsförderung-geht vom Gesundheitsbegriff der Frauen aus und bezieht sich jeweils auf die Lebensphasen. Geht vom ExpertInnenwissen der Frauen aus und befähigt diese, ihre Handlungsfelder und –möglichkeiten zu erweitern Verändert die objektivierende und entfremdende Sicht auf Frauen und ihre Körper: Normierung, Medikalisierung, berücksichtigt strukturelle Veränderungen der Lebensbedingungen von Frauen, überprüft Maßnahmen und Projekte auf den frauenadäquaten Inhalt hin, Sensibilisiert die Öffentlichkeit, regt Veränderungen in bestehenden Einrichtungen an, definiert man Frauengesundheit im Sinne der WHO und beschreibt diese damit als soziale Tatsache, so bedeutet dies, neben der Biologie und dem Körper auch die persönlichen Ressourcen der Frauen, ihre sozialen Lebenswelten und die gesellschaftlichen Bedingungen einzubeziehen(WHO 1986). Diese Betrachtungsweise eröffnet, dass Frauen eine heterogene Gruppe sind. Sie haben verschiedene Körper, persönliche und soziale Ressourcen und unterscheiden sich in ihrem sozialen Umfeld erheblich. Dieser komplexe, soziale fundierte Gesundheitsbegriff beinhaltet auch, sich in der Entstehung, Förderung und Wiederherstellung von Gesundheit mit dem Angebot an Gesundheitsleistungen, mit Leistungen und Unterstützung durch Laien und professionelle AnbieterInnen sowie durch deren Institutionen zu beschäftigen. Es werden krankmachende Bedingungen in der Gesellschaft analysiert und Ressourcen erforscht, welche die körperliche, soziale und seelische Gesundheit von Frauen stützen und ihre Lebenssituation verbessern. Nach diesem Verständnis sind adäquate Arbeitsplätze, unterstützende Netzwerke, Frauenhäuser, Frauenberatungsstellen wie auch Selbsthilfegruppen und Angebote der Erwachsenenbildung wichtige Ressourcen für Frauengesundheit. Die Kooperation von Projekten mit der Arbeitsmarktförderung, die ja auch die berufliche Weiterbildung von Frauen beinhaltet, kann in diesem Zusammenhang beispielsweise als sektorenübergreifende strukturelle Förderung der Frauengesundheit gesehen werden. Das Empowerment (Befähigung, Selbstermächtigung) und die Advocacy (anwaltschaftliches Eintreten für Frauengesundheit) sind sowohl das Ziel wie auch die wesentlichen Strategien, um die Gesundheit von Frauen zu fördern.

Frauengesundheitsbewegung:

  • Die Frauengesundheitsbewegung hat Gesundheit als soziales Phänomen begriffen. Sie war der Motor, dass Frauengesundheit überhaupt erst auf die politische Tagesordnung kam. Einen der Niederschläge fand dies in der Ottawa Charta der WHO. Was mit dem Begriff „Empowerment“ in der Gesundheitsförderung aufgegriffen wurde, hatte die Frauengesundheitsbewegung mit ihrer Konzentration auf Selbsthilfe begonnen. Kickbusch (1981) bezeichnete die Selbsthilfe als die faszinierendste Entdeckung und die wichtigste Strategie in der Frauengesundheitsbewegung in den USA und Deutschland. Eine „grass-roots“Bewegung wie in Deutschland oder in den USA hat es in Österreich nie gegeben. Es waren immer engagierte professionelle GesundheitsarbeiterInnen oder politisch engagierte Frauen, die im Sinne einer „Advocacy“(Anwaltschaft) für Frauen bestimmte Leistungen einforderten(z.B.Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs). Heute übernehmen vielfach Frauengesundheitszentren die Aufgabe der Advocacy für die Gesundheit der Frauen im Gesundheitsversorgungssystem. Österreichische Frauengesundheitszentren vertreten die Interessen der Frauen für ihre Gesundheit. Sie ermutigen Frauen, ihre Selbsthilferessourcen zu aktivieren und mehr Selbstbestimmung über Körper und Gesundheit zu erlangen. Frauengesundheitszentren geben Frauen Entscheidungshilfen im komplexer werdenden Gesundheitssystem und ergänzen durch ihre Angebote das traditionelle Gesundheitssystem. Die Frauengesundheitszentren wurden von Frauen gegründet, deren Profession im Gesundheitsbereich liegt.

8.) Handlungsstrategien für Frauengesundheitspolitik?

Eine politische Programmatik mit der Ausrichtung auf die Förderung und Erhaltung der Gesundheit von Frauen spiegelt sich im Handlungs,-und Forschungsbereich der gesundheitlichen Versorgung noch wenig nieder.

In beiden Bereichen ist der Fokus auf Krankheiten gerichtet. Gesundheitsziele sind weder auf Bundes,-noch auf Länderebene definiert. Sie würden es jedoch ermöglichen, Maßnahmen auf diese abzustimmen und deren gesundheitliche Ergebnisse auf ihren Erfolg(z.B.auf Gendergerechtigkeit) zu prüfen.

Gleichfalls gilt es strukturelle Maßnahmen zu setzen, um die Advocacy und die Partizipation für PatientInnen und KonsumentInnen von Gesundheitsleistungen stärker zu verankern. Um effektive und effiziente gesundheitsförderliche Maßnahmen setzen zu können, werden Daten zur Auswahl gesundheitsförderlicher Maßnahmen, zur Information der Betroffenen und zur Erfassung der Wirkungen im gesamten Umfang benötigt. Um aus den bereits gesammelten Daten weiterreichende Informationen als bisher zu gewinnen, ist es in einem ersten Schritt sinnvoll, eine möglichst vollständige Dokumentation aller Studien, gesundheitsförderlichen Aktivitäten und bestehenden Datenquellen als Informationsquelle für die PraktikerInnen im Feld, für die WissenschafterInnen und GesundheitspolitikerInnen zur Verfügung zu stellen. Eine breite Zugänglichkeit von Ergebnissen und Datenquellen ermöglicht die Definition neuer Fragestellungen und Themenbereiche ebenso wie die Durchführung von Analysen unter neuen Gesichtspunkten. Prinzipiell sollte eine Koordination von Datensätzen angestrebt und das Zusammenführen von Daten unter Sicherung des Datenschutzes unterstützt werden.

Hierzu ist die Konstituierung von ExpertInnengremien hilfreich, welche diesen Prozess unterstützen und kritisch begleiten. Unterschiedliche Datenquellen zur Frauengesundheit zusammenzuführen, zu analysieren und in Form von Berichten an die Öffentlichkeit zu bringen ist ein wichtiger erster Schritt, um wissensbasierte Grundlagen für die Frauengesundheitsförderung zu erlangen.

Alle Ergebnisse der Gesundheitswissenschaften weisen darauf hin, dass der Ressourcenansatz der Gesundheitsförderung tatsächlich die Realität am besten widerspiegelt: Denn Selbstwertgefühl, soziale Unterstützung, Bewältigungsmöglichkeiten, soziale Schicht und sozioökonomische Situation einer Region prägen die Gesundheit der/s Einzelnen und einer Bevölkerung in hohem Maße. Soziale Gerechtigkeit und geringe Einkommensdifferenz in einer Bevölkerung sind wichtige Faktoren für Gesundheit (Wilkinson 1996), mehr als die ÄrztInnendichte oder Anzahl an Spitälern oder Großgeräten. Daher ist es eine Notwendigkeit, der Medikalisierung zu entgehen und entsprechende Daten in die Gesundheitsstatistik aufzunehmen.

Im sozialen Konzept der Gesundheit hat die Partizipation der Betroffenen einen hohen Stellenwert. Diese ist durch strukturelle Maßnahmen zu sichern. Auch wenn dies mit Interessen von AkteurInnen im Gesundheitssystem kollidiert, sollte das Ziel der Gesundheitsförderung mit dem Anspruch der Wissenschaftlichkeit verfolgt werden. Nur indem auch die Kategorien Sex und Gender berücksichtigt werden, kann die Komplexität der Frauengesundheit erfasst werden. Dies ermöglicht wiederum, dass die Gesundheitsversorgung frauengerecht strukturiert wird. Die Beseitigung der Ungleichheit, Empowerment und die Stärkung von "grass roots"-Bewegungen werden hierzu wichtige Elemente bilden. In diesem Rahmen wäre die Unterstützung partizipativer Bewegungen durch die Gesundheitsberufe als Qualitätsmerkmal zu sehen.

Vielleicht bietet die neue Gesundheitsreform mit den Zielen der Reduktion der stationären Versorgung sowie der Vernetzung und Integration der Versorgungseinrichtungen die Gelegenheit einer Umstrukturierung. Durch die Förderung partizipativer Elemente und einer dadurch möglichen Belebung der Frauengesundheitsbewegung wird das Ziel erreicht, die Gesundheit von Frauen zu fördern (R.:Schritt für Schritt kommt man auch ans Ziel)

Handlungsstrategien 

-Förderung der Entwicklung unterschiedlicher Fraueninteressensvertretungen, damit diese ihre unterschiedlichen Bedürfnisse artikulieren können.

-Bildung eines intersektoralen Forums für die Verbesserung der Frauengesundheit, in dem intersektoral und interdisziplinär FachexpertInnen und Laien vertreten sind.

-Entwicklung eines Frauengesundheitsprogramms mit konkreten Umsetzungsschritten

-Die Strukturen der mit Gesundheit befassten Organisationen entwickeln, sodass das Bewusstsein für Frauengesundheit erhöht wird.(z.B. zielgruppenspezifische Arbeit fördern)

-Forschung und Entwicklung von Gesundheitsindikatoren von Frauen für die Evaluierung

Mehrdimensionales Vorgehen:

-Empowerment (Ermächtigung von Personen und Gruppen zur Übernahme bestimmter selbstverantwortlicher Rollen) der Frauengesundheitsbewegung, Selbsthilfebewegung, KonsumentInnenbewegung

-Interessensvertretung in gesundheitlichen Themenstellungen

-Verankerung von PatientInnenvertreterInnen in Entscheidungsgremien

-Berufliche Interessensvertretung von Gesundheitsprofessionellen

-frauenorientierte gesundheitliche Versorgung anbieten, einfordern

-Datenerhebung, Evaluation, Veröffentlichung von Berichten

-kritische Medienberichte fördern: es sollte der Medikalisierung der Frau entgegengewirkt werden

-Strukturentwicklung vorantreiben:

-frauengerechte Versorgungstrukturen entwickeln

-Förderung v. frauenspezif. Gesundheitsforschung

-frauenspezif. Sichtweisen in der Aus, -Fort, -und

Weiterbildung entwickeln

Frauengesundheit braucht:

-Information, Transparenz und Kommunikation

-eine Adresse, einen Ort

-unabhängige Forschung

-gesicherte Qualität

-Öffentlichkeit und Leitbilder

-speziell geschultes Personal

-förderliche Arbeits,- und Lebensbedingungen

Die Akteurinnen für Frauengesundheit sind die

  • Frauengesundheitsbewegung, -und zentren
  • Selbsthilfebewegung
  • Frauengesundheitsforschung; Arbeitskreis Public Health; Women´s studies
  • Vertreter in Krankenkassen? Versorgungsbereich?

9.) Was sind Gesundheitsberichte und welche Funktion haben sie?

„Die Gesundheitsberichterstattung informiert maßnahmenorientiert über gesundheitsrelevante Themen und liefert so wissenschaftliche Grundlagen für rationale gesundheitspolitische Weichenstellung“ (Ziese, 2000)

GBE ist „eine praktische Anwendung der Gesundheitswissenschaften und deren Instrument sowie Teilaufgabe zur Erreichung ihrer Ziele. Sie bedient sich medizinischen Wissens und epidemiologischer, statistischer und sozialwissenschaftlicher Methoden. GBE ist ein Prozess, in dem Risikofaktoren, Versorgungssituation, Gesundheitszustände und ihre Konsequenzen auf gesellschaftlicher Ebene beschrieben werden. Ihr Produkt sind periodische Berichte, mithilfe derer sie als (gesundheits-)politische Planungs- und Entscheidungsbasis, als Grundlage der Gesundheitsförderung und der Information zur Aufklärung und zur politischen Partizipation der Bevölkerung dient. GBE nimmt eine Schnittstellenfunktion zwischen Öffentlichkeit, Politik und Wissenschaft ein.“ (Klein 2007)

Wesentliche Elemente der GBE:

•          Literatur und Datenrecherche

•          Datensammlung

•          Datenanalyse

•          Informationsaufbereitung

•          Interpretation und Bewertung

•          Maßnahmenvorschläge und Handlungsempfehlungen

•          Veröffentlichung, Öffentlichkeitsarbeit

Man unterscheidet Basisberichte (z.b. Gesundheitsbericht Steiermark) von Spezialberichten (z.B. Kinder- und Jugendgesundheitsbericht oder Frauengesundheitsbericht).

Problematik in der Frauengesundheitsberichterstattung:

  • schlechte Datenlage (z.B hinsichtlich gesundheitsbezogene Daten zu Ressourcen oder Bewältigungsstrategien von Frauen)
  • bisher wurden Beteiligte (= betroffene Frauen, Entscheidungsträgerinnen sowie in unterschiedlichen Sektoren und Verwaltung tätige Fachkräfte) kaum in die Problemdefinition und in deren Lösungen miteinbezogen
  • die gesundheitlichen Auswirkungen der gleichzeitigen beruflichen und häuslichen Ent,-bzw. Belastungssituation datenmäßig nicht adäquat erfasst wird
  • Wechselwirkungen zwischen sozialen, umweltbezogenen Belastungen und Ressourcen von Frauen nicht erfasst werden
  • eine kleinräumige, regionale Zuordnung der gesundheitlichen Daten schwer bis gar nicht möglich ist
  • Am ehesten die gesundheitlichen Daten der reproduktiven Lebensphasen der Frauen erfasst werden
  • Die Erwerbssituation der Frauen datenmäßig nicht erfasst wird

Der Aufbau von Strukturen zur frauenspezifischen Gesundheitsberichterstattung, die neben der Datensammlung und –analyse die Partizipation der Beteiligten an der Problemdefinition und an Lösungen vorsieht und damit die Gesundheit der Frauen erhält und fördert, ist notwendig.

Bisher sind diese Schritte in ihrer Gesamtheit in Österreich in keinem Bundesland verfolgt worden. 

Die Gesundheitsberichte werden von verschiedenen Institutionen bzw. Autoren erstellt, sodass eine überregionale und methodische Einheitlichkeit und Vergleichbarkeit der Berichte nicht immer gewährleistet ist. Die Gesundheit Österreich GmbH/Geschäftsbereich Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen (GÖG/ÖBIG) ist seit dem Jahr 2000 in der Gesundheitsberichterstattung (GBE) auf Bundes- und Landesebene aktiv, hat den Bedarf nach Einheitlichkeit und Vergleichbarkeit der Berichte wiederholt thematisiert und dabei auch auf die internationalen Vorgaben von WHO und EU zur GBE hingewiesen. http://www.bmgfj.gv.at/cms/site/artikel.pdf?channel=CH0713&;doc=CMS1200057285919

 

Letzte Änderung am 22/07/2014

Health Consulting

Seit 2014 bin ich als selbständiger Unternehmensberater mit den Schwerpunkten Health Literacy und Social Health tätig. Zusammen mit verschiedenen Netzwerkpartnern kann ich Ihr gewünschtes Projekt rasch und zuverlässig umsetzen. Gerne stehe ich auch als externer Berater zur Verfügung.

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Kostenloser Ratgeber

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Die Suche nach hochwertigen Gesundheitsinformationen im Internet ist nicht immer einfach. Dieser einfach verständliche Ratgeber erläutert Schritt für Schritt wie Sie schnell und einfach zu qualitativ hochwertigen Gesundheitsinformationen kommen. 

Qualitätsauszeichnungen

medisuch Siegel2012mx4 Diese Web Seite ist von der Health On the Net Stiftung akkreditiert. Seit 2015 wird aus Kostengründen darauf verzichtet - die Einhaltung des HON-Codes hat trotzdem oberste Priorität frag Finn - Seiten für Kinder


Die Qualität der angebotenen Informationen ist mir wichtig, diese unabhängigen Organisationen bestätigen dieses Vorhaben.