07/02/2013

Ist die Zeit für die personalisierte Medizin gekommen?

Die personalisierte Medizin kann dazu beitragen, sein eigener Arzt zu werden. Aufgrund der vorliegenden Analyse-Daten kann ein eigenes gesundheitliches Profil erstellt und eine eigene "Krankengeschichte" geplant werden.

Bevor wir ins Detail gehen, soll noch einmal genauer beschrieben werden, um was es sich bei der personalisierten Medizin handelt.

Es geht darum, dass jeder Patient unter größtmöglicher Einbeziehung individueller Gegebenheiten, also über die vorliegende Krankheitsdiagnose hinaus, die notwendige Behandlung erfährt. Gerade bei der individuell angepassten Pharmakotherapie wird versucht, zusätzlich zum Krankheitsbild auch die molekularbiologischen Konstellationen zu berücksichtigen. Möglich wird das durch den Einsatz von modernen Biomarkern. Nicht unberücksichtigt bleibt dabei die genetische Veranlagung des Patienten (Wikipedia).

 

 

Das Thema der personalisierten Medizin ist nicht neu, immer öfter werden darüber öffentliche Diskussionen geführt. Das war auch der Grund, warum ich mich heute diesem Thema angenommen habe.

Die Idee dahinter ist grundsätzlich gut, Personen werden in die Lage versetzt, verstärkt Ihre eigene Gesundheit in die Hand zu nehmen und zusätzlich die Flut an neu gewonnenen medizinischen Informationen über den eigenen Körper zu verwalten.

Die neuen Daten entstammen vor allem den Auswertungen, die uns die moderne Medizin ermöglicht. In diesem Zusammenhang ist aber noch unklar, wie sehr diese aber in der alltäglichen Praxis eingesetzt werden können. Die Methoden zur Bestimmung von Krankheiten und deren Techniken werden von Tag zu Tag besser und es steht somit außer Frage, dass diese in der Zukunft ein wichtiger Bestandteil einer jeden Behandlung werden. Erste positive Ergebnisse sind heute bereits vorhanden.

Gehen wir für einen Moment davon aus, dass diese fortschrittliche Technik funktioniert und einen Vorteil in der Anwendung hat. Würde das aber gleichzeitig bedeuten, dass die meisten Menschen daraus einen Vorteil ziehen könnten, wenn auch Sie über personalisierte Daten (z.B.: Genomsequenzen) verfügen würden? Es sieht aus, als wäre das eine wunderbare Idee. Wer hätte eine größere Motivation als der Betroffene selbst, zu entscheiden, was am besten für ihn ist?

Warum sollte man sich auf irgendeinen Gesundheitsexperten verlassen, der in Wirklichkeit keinen Bezug zum Betroffenen hat? Die Vorstellung des empowerten, hoch gebildeten und extremst motivierten Menschen, der die Möglichkeiten der neuen Technologien nutzt, ist äußerst attraktiv. Warum auch nicht?

 

Gerade die Leser meines Blogs sind aber angehalten, immer ein wenig kritischer zu sein und im Sinne Ihrer Gesundheitskompetenzen weiter als andere zu denken. Wie gut kann aber die Allgemeinbevölkerung mit vorhandenen, unumstrittenen medizinischen Informationen umgehen? Wenn wir uns in diesem Zusammenhang die Ergebnisse der verschiedenen Health Literacy Surveys ansehen, dann wissen wir, dass es hier eher schlecht aussieht. Beispielsweise verfügen in Amerika neun von zehn Personen über sehr geringe Gesundheitskompetenzen. In Australien und Österreich sind es über 50 Prozent.

Mittel gegen alles?

Ist es in Wirklichkeit nicht so, dass die praktischen Ärzte schon sehr viel Arbeit mit jenen Patienten haben, die darauf beharren, ein Antibiotikum zur Behandlung Ihrer Grippe oder Erkältung verschrieben zu bekommen? Ein Antibiotikum entfaltet aber in dieser Situation überhaupt keine Wirkung.

Wie sieht es in der Praxis aus? Kann jeder praktische Arzt (Hausarzt) die Genomsequenzierung interpretieren? Eine Probe zur Sequenzierung zu beantragen, ist heute bereits einfach und schnell über das Internet möglich – die verständliche Interpretation und Erklärung aber wiederum keine Selbstverständlichkeit. Wenn es selbst für den Hausarzt unmöglich ist, wie sollen es dann die Nicht-Experten machen?

Es steht außer Frage, dass es für die meisten Menschen somit unmöglich ist, Ihr eigener Arzt zu sein oder zu werden. In Bezug auf die gesundheitsrelevante Basisbildung (Health Literacy, Gesundheitskompetenz) muss hier aber klar abgrenzt werden, was zur Basisbildung gehört und was zum Fachwissen. Das Anwendungsgebiet und die Verwendung von Antibiotika zählen aus meiner Sicht zum Basiswissen. Wissen über den Aufbau eines Genoms jedoch nicht. Nicht jeder kann ein Arzt werden, abgesehen von einem entsprechenden Interesse erfordert das erfolgreiche Studium zudem große Anstrengungen, die nicht jeder bereit ist, aufzuwenden.

 

Wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass eine derartige Vorliebe für die personalisierte Medizin niemals eine bedeutende Rolle für die Gesundheit der Gesamtbevölkerung haben kann. Gerade deswegen, weil die „Kaufhaus-Gesundheitsversorgung“ ein wenig an die Biolebensmittel erinnert. Der Vergleich mag auf den ersten Blick ein wenig überraschen, doch wie sieht es bei den Biolebensmitteln aus? Möglicherweise schmecken diese besser und vielleicht sind diese Produkte auch wirklich gesünder, erschwinglich sind Sie aber auf Dauer nur für einen eingeschränkten Personenkreis, auf jeden Fall aber nicht für alle. Der Verzehr dieser Bioprodukte kann somit dazu führen, dass die Konsumenten ein wenig gesünder leben als die anderen, erwiesen wurde das aber noch nicht. Am Ende muss aber angemerkt werden, dass die Bioprodukte nicht in der Lage sind, die gesamte Erdbevölkerung (rund sieben Milliarden Menschen) ausreichend und dauerhaft zu ernähren.

Gesundes Essen

 

Ähnlich verhält es sich mit den individualisierten Gesundheitsdaten. Diese werden selbst über einen längeren Zeitraum hinweg nur einem privilegierten Personenkreis zur Verfügung stehen. Nicht sicher ist dabei, ob Sie mit diesem Wissen länger oder zumindest besser leben. Es sollte daher bei den öffentlich geführten Diskussionen bedacht werden, dass das Selbstmanagement von individualisierten Daten in vorhersehbarer Zeit zu keiner Verbesserung der allgemeinen Gesundheit in unseren Ländern beitragen wird.

 

Nicht ausgeschlossen ist aber die Geschäftemacherei von Firmen, es sollte somit die Aufgabe der Gesundheitsexperten und Behörden sein, die Bürger vor derartigen Angeboten zu warnen. Ähnliche Angebote gibt es ja bereits genug. Es reicht, wenn man die Zeitung aufschlägt oder sich die verschiedenen TV-Shows samt den Werbungen ansieht. Wie oft werden dort unhaltbare Behauptungen über den Nutzen eines neuen Nahrungsergänzungsmittels oder eine neue Diät aufgestellt?

Es kann davon ausgegangen werden, dass im Zuge der personalisierten Daten noch viel mehr Versprechungen gemacht werden, das von Firmen, die bereits auf dem Markt etabliert sind und von solchen, die in diesen Boom-Zeiten noch entstehen werden.

In Anleihe an den ehemaligen US-Präsidenten Benjamin Franklin (1706-1790): Das ist so sicher, wie das Zahlen von Steuern und der Tod.

 

Literaturverzeichnis:

Houston L. (2013). Becoming Your Own Doctor In The Brave New World Of Personalized Medicine. http://www.forbes.com/

Wikipedia (2013). Die personalisierte Medizin. Link

 

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Letzte Änderung am 30/07/2014

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