Freitag, 08 März 2013 00:00

Tutorial: Lindert eine Bernsteinkette die Schmerzen?

Nachdem wir uns schon im letzten Beitrag mit der kritischen Gesundheitsbildung und den Werbeversprechen auseinandergesetzt haben, möchte ich dieses Thema heute wieder aufgreifen und mit einer Anleitung (Tutorial) zur Suche nach hochwertigen Gesundheitsinformationen im Internet verbinden. Um unsere Gesundheitskompetenz zu verbessern, reicht es nicht aus viel zu wissen oder viele Empfehlungen zu bekommen, wir müssen uns auch die Zeit nehmen, das vorhandene Wissen zu hinterfragen.

Vermutlich kennen viele von Ihnen den Ratschlag, einem Baby beim Zahnen die Schmerzen mit einem Bernsteinkettchen zu nehmen bzw. diese damit zu lindern. Können wir dem Wissen und den Gesundheitskompetenzen der anderen blind vertrauen?

Bernstein ist das versteinerte Harz urzeitlicher Nadelbäume. Es kommt in verschiedenen Farben vor und in manchen Fundstücken sind Pflanzenreste oder Insekten zu finden. An die heilende Kraft wird schon sehr lange geglaubt. So wurde der Bernstein im 19. Jahrhundert zerrieben und oder auch als Räuchermittelt verwendet. Die Ostpreußen versuchten früher damit Halsschmerzen zu bekämpfen, noch heute berichten Eltern von der wohltuenden Wirkung (Onmeda.de).

Nachdem mein Kleiner gerade dieses Problem hat, war es an der Zeit, diesen Empfehlungen nachzugehen. Kann ich Ihm wirklich damit helfen oder ist es bloss ein Irrglauben der vorwiegend älteren Generationen?

Nachdem ich und viele andere Ihre Informationssuche mit Google beginnen, habe ich diese jetzt durchgeführt und einen Screenshot von den Ergebnissen unten eingefügt.

 

Google Screenshot Teil 1 

Abbildung: Googlesuche „Bernsteinkette“ Teil 1

 

Innerhalb von 0,21 Sekunden wurden mehr als 250.000 Treffer gefunden. Ein Hinweis, sollten Sie die Suche auf Ihrem Rechner durchführen, so werden die Ergebnisse geringfügig anders ausfallen.

Sehen wir uns die Treffer nun ein wenig genauer an. Die ersten beiden Treffer sind unverkennbar durch den gelben Hintergrund und den Hinweis „Anzeige“ als Werbung zu erkennen. Um hochwertige gesundheitsrelevante Informationen zu finden, rate ich vorerst einmal davon ab, eine auf diese Weise angekündigte Seite zu besuchen. Die beiden darauf folgenden Treffer dürften auch das Ziel verfolgen, ein Bernsteinprodukt zu verkaufen.

Nachdem in der ersten Abbildung nicht alle relevanten Treffer Platz gehabt haben, habe ich einen zweiten Screenshot anfertigt. Nach der Anzeige der Bilder folgt endlich ein für uns interessanter Eintrag. „Baby Bernsteinkette – Zahnungshilfe oder Ammenmärchen“. Auf den Inhalt als solchen möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen. Viel mehr interessieren uns die weiteren Anzeigen. Ebay fällt wiederum in den Bereich Werbung/Verkauf. Bei den letzten vier Treffern dürfte wieder eine für uns interessante Seite dabei sein.

Fassen wir noch einmal zusammen: Google fand 258.000 relevante Treffer und auf der ersten Seite werden uns zum unspezifischen Suchbegriff „Bernstein“ zirka 20 Vorschläge unterbreitet. Von diesen sind zwei oben und acht rechts klar als Werbung deklariert und bei einem handelt es sich um einen Bilderverweis. Handelt es sich aber bei den zwei für uns interessanten Links um seriöse Quellen?

Google Screenshot Teil 2 

Abbildung: Googlesuche „Bernsteinkette“ Teil 2

 

Verwendung einer medizinischen Suchmaschine

Wie wäre es, wenn aber anstatt einer gewöhnlichen Suchmaschine (z.B.: Google, Bing oder Yahoo) eine medizinische Suchmaschine wie beispielsweise www.medisuch.de oder MedHunt der Health on Net Foundation verwenden?

Führen wir nun eine Suche mit dem gleichen Suchbegriff unter Verwendung von Medisuch anstatt von Google durch.

Laut Angaben des Betreibers handelt es ich bei Medisuch um „ … eine vertikale Suchmaschine für den Bereich Medizin und Gesundheit, die auf einer Positivliste ausgewählter Quellen basiert. Die Liste umfasst derzeit knapp 500 deutschsprachige Informationsanbieter, die Inhalte unabhängig von Industrieinteressen anbieten. Betrieben wird die Spezialsuchmaschine vom Institut für Qualität und Transparenz von Gesundheitsinformationen (IQTG).

Diese Suchmaschine greift somit nur auf im Vorfeld ausgesuchte Beiträge von seriösen Anbietern zurück. Dazu zählt auch die Seite www.alexanderriegler.at.

Diese Anbieter verfolgen nicht das Ziel, Ihnen eine Bernsteinkette zu verkaufen, sondern Ihnen nützliche und qualitativ hochwertige gesundheitsrelevante Informationen zukommen zu lassen. Nachdem die Benützung der medizinischen Suchmaschine Medisuch für Sie kostenlos ist, finanziert sich der Suchmaschinenbetreiber über Werbeeinschaltungen. Dabei wird aber größter Wert darauf gelegt, dass die Werbung als solche klar erkennbar und es durch die Werbeeinschaltungen zu keiner Beeinflussung des Betreibers (Suchanzeigen) und des Lesers kommt.

 medisuchMitWerbung

Abbildung: Medisuch „Bernsteinkette“ mit Werbefenster

Medisuch Screenshot Teil 2 

Abbildung: Medisuch „Bernsteinkette“ mit Werbefenster (2)

 

Wie bei Suche mit Google auch hier zuerst die Auswertung. 38.500 Treffer in 0,86 Sekunden. In Summe werden 18 Treffer angezeigt wobei acht durch eine rötliche Umrandung als Werbung gekennzeichnet sind. Die restlichen zehn Treffer stammen von kontrollierten Anbietern. Beispielsweise stehen den Ratsuchenden auf der Seite „Rund ums Baby“ laut Auskunft des Seitenbetreibers in den 32 Foren rund 50 Experten kostenlos zur Verfügung. Sofern sich Experten um die Beiträge der User annehmen, wird ein solches Forum als moderiert bezeichnet und sollte daher vor allem von ungeübten Suchenden nach Möglichkeit einem nicht-moderierten Forum vorgezogen werden.

Mein Spezial-Tipp: Wenn Sie Firefox als Browser verwenden, dann installieren Sie die kostenlose Erweiterung (Add-on) „Adblock Plus“ . Auf diese Weise werden Werbeeinschaltungen automatisch ausgeblendet.

 

Mozilla Adblock PLUS 

 

Nachdem Sie den Werbeblocker erfolgreich installiert haben und Sie die Medisuch-Seite erneut aufgerufen haben, sieht Ihre Anzeige wie folgt aus:

 

Medisuch ohne Werbungfenster 

Abbildung:Zehn hochwertige Treffer ohne Werbung

 

Ist nun Bernstein wirksam und dessen Einsatz beim Zahnen von Kindern empfehlenswert?

Kinder- und Zahnärzte halten die heilende Wirkung des Bernsteins für UNSINN. Bisher hat noch keine wissenschaftliche Studie den Nutzen bewiesen! Andere Experten halten Bernsteinketten und den Hype darum für „Hokuspokus“, Sie warnen davor, denn es bestehe durch das Tragen der Kettchen eine Strangulationsgefahr für das Kind. Erhebungen in Amerika zeigen, dass die damit verbundenen Unfallzahlen im Steigen begriffen sind (onmeda.de).

Sollten Sie aber trotzdem auf die Bernsteinkette nicht verzichten wollen, dann greifen Sie zumindest zu Ketten mit einem Magnetverschluss. Dieser kann sich im Bedarfsfalle selbst öffnen oder besser, Sie wählen ein Bernstein-Armband anstatt der Kette. In empfehle Ihnen weiters, achten Sie darauf, dass jede Perle einzeln verknotet ist, damit kann wiederum der Gefahr des Verschluckens besser vorgebeugt werden.

In einem Forum habe ich in etwa folgendes gelesen: Wenn Sie an die Wirkung glauben, dann sollten Sie auch das Baby früh davon überzeugen, denn ansonsten könnten Sie am Ende enttäuscht werden …

In diesem Beitrag wurde nicht auf die optimierte Eingabe des Suchbegriffes eingegangen. Wäre dies geschehen, so hätte vermutlich auch Google relevantere Treffer angezeigt. Solten Sie Fragen zu diesem Tutorial haben, dann schicken Sie mir bitte ein Mail oder posten Sie Facebook.

 

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Weiterführende Literatur:

Zahnbeschwerden auf PharmaWiki: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Zahnungsbeschwerden

Hilft die Bernsteinkette Baby beim Zahnen? auf Onmeda: http://www.onmeda.de/gesund/kinder/bernsteinkette-baby-1152.html

 

Quelle:

Onmeda.de (http://www.onmeda.de)

Medisuch.de (http://www.medisuch.de)

 

Fotonachweis:

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Medisuch.de

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Letzte Änderung am Sonntag, 29 Juni 2014 19:40

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