22/04/2013

Eine Kinderärztin zum Thema Informationssuche im Internet

Vor kurzem habe ich einen interessanten Blogbeitrag von einer Kinderärztin gelesen. Es ging darum, dass sie sich sehr darum bemüht, dass die Eltern der Kinder selbst in der Lage sind, sich relevante Informationen im Internet besorgen zu können. Ist es nicht dass, was wir hier auch erreichen wollen? Selbständig zu sein und im Bedarfsfalle oder einfach nur aus Interesse die richtigen Antworten zu finden? Das Internet hat vieles verändert. Gab es in der Vergangenheit noch die Bücher in unseren Bibliotheken in den wir gehofft haben, die richtige Antwort zu finden, so kämpfen wir heute mit einem Überangebot an Informationen. Die Kunst besteht heute darin, die Spreu vom Weizen zu trennen. Über medizinische Suchmaschinen, Wolfram Alpha und die Möglichkeiten zur Optimierung der Suche habe ich bereits öfters geschrieben. Heute möchte ich den Erfahrungsbericht der Kinderärztin wiedergeben.

 

Nach Ansicht der Kinderärztin wird sich die Arbeit eines Allgemeinmediziners in der Zukunft verändern. Zu seiner Arbeit wird es auch gehören, Informationen für die Patienten vorzufiltern und gleichzeitig muss er in der Lage sein, seinen Patienten vertrauenswürdige und leicht verständliche Internetseiten anzubieten. Auf diesen sollten die Eltern Beiträge lesen, nach weiteren Informationen suchen und gleichzeitig auch Fragen stellen können. Tatsache ist, dass viele Eltern vor dem Besuch bereits Dr. Google besucht haben.

Ein paar Daten zu Amerika:

  • Einer von drei Erwachsenen verwendet das Internet um eine selbständige Diagnose für sich oder einen Pflegling zu erstellen. Fast die Hälfte dieser Personen gibt an, dass sie aufgrund der gefundenen Antworten das verstärkte Verlangen haben, einen Arzt aufzusuchen. Zu zirka 40 Prozent werden dann die selbstermittelten Diagnosen bestätigt.Capitol USA 
  • Frauen gehen häufiger online, um eine entsprechende Selbst-Diagnose zu erstellen. Weiße mit einem Studienabschluss oder Personen, die in einem Haushalt mit einem Jahreseinkommen von mehr als 75.000 Dollar leben, suchen wesentlich häufiger.
  • Eine von vier Personen gibt an, dass sie die gesuchten Informationen nicht gefunden hat, da der Zugang zur gewünschten Seite kostenpflichtig war.
  • Rund 77 Prozent beginnen Ihre Suche mit einer Suchmaschine, um die 13 Prozent rufen gezielt eine bestimmte Seite auf.

 

Zu Österreich gibt es keine allzu genauen Daten in diesem Bereich. Statistik Austria hat beispielsweise für 2012 auch nicht mehr genau aufgetrennt, wie viele Personen nach gesundheitsrelevanten Informationen gesucht haben. 2011 hatten 75 Prozent aller befragten Haushalte einen Internetzugang, davon haben 67 Prozent nach gesundheitsrelevanten Informationen gesucht (Statistik Austria, 2011; IKT-Einsatz in den Haushalten).

 

Es ist aber davon auszugehen, dass sich die Zahlen nicht sehr unterscheiden werden. Trotzdem möchte ich aber noch darauf hinweisen, dass das Internet – Dr. Google – wertvolle Informationen liefern kann. Beginnen sie aber bitte nach einer Selbst-Diagnose keine eigenständige Behandlung. Bestellen sie keine Medikamente im Internet!

 

Die Kinderärztin berichtet weiter, dass die oben genannten Daten aus Amerika sie nicht wirklich überraschen. Sie hätte vermutet, dass mehr als 35 Prozent (einer von drei Erwachsenen) eine eigene Diagnose aufgrund der gefundenen Informationen erstellen. Die meisten Eltern mit denen sie im Laufe ihrer Tätigkeit zu tun hat, haben sich im Vorfeld über die Kindesentwicklung, Impfgegebenheiten, Schlafgewohnheiten und andere Dinge erkundigt. Gerade jene Eltern, die gerade erst ein Kind erwarten, lesen sehr viel schon vorher nach. Ihrer Meinung nach vergessen wir aber, dass wenn wir über Präventionsstrategien (Impfungen, Wege des Fütterns und des sicheren Schlafes, Schutz vor Chemikalien, …) lesen, gleichzeitig über die Gesundheit lesen. Die Menschen glauben vielfach, dass Gesundheit immer nur etwas mit dem Lösen von Gesundheitsproblemen zu tun hat. Wir glauben, dass wir die Suche nach medizinischen Inhalten erst dann machen, wenn wir bereits gesundheitlich angeschlagen sind und Schmerzen haben. Gerade als Kinderarzt aber sind alle Maßnahmen zur Vermeidung von gesundheitlichen Problem (Prävention) von großer Bedeutung und somit ein wichtiges Werkzeug. Das Internet ist somit ein Schlüsselelement in der Vermeidung von Krankheiten.

 

Die Onlinesuche mit Google

Es ist nicht verwunderlich, dass diese Suchmaschine verwendet wird. Es geht alles sehr schnell und einfach! Im Untersuchungszimmer suche ich oft gemeinsam mit den Eltern nach den notwendigen Informationen.

 

Eltern lernen viel über Kinder online

Die meisten Eltern lernen viel über die Kindergesundheit außerhalb der Räumlichkeiten des Kinderarztes. Es ist heutzutage schon fast alltäglich, sich schnell ein paar Informationen online zu besorgen. Nach Einschätzung der der Kinderärztin sucht jeder Dritte oder vielleicht sogar jeder Zweite der Patienten im Akut-Fall nach Informationen (Einschätzung aufgrund der Erzählungen der Patienten). Selten wird aber davon berichtet, wenn es um akute Ohreninfektionen, Husten oder Erkältungen handelt.

 

Die Kinderärztin gibt ihren Patienten folgende Empfehlungen mit:

  1. Halten sie sich das gewünschte Ergebnis immer vor Augen. Sobald man online ist, verliert man sein Ziel schnell aus den Augen. Lassen sie sich auch nicht von Erfahrungsberichten, Mythen und anderen Erzählungen verunsichern. Nicht alle Inhalte sind darauf ausgerichtet, nur das Beste für sie und ihr Kind zu erreichen. Ein Lösungsvorschlag: Drucken sie relevante Inhalte aus oder notieren sie sich die Internetadressen der Seiten, diese können sie dann gemeinsam mit einem Gesundheitsexperten besprechen.
  2. Besorgen sie sich Hilfe von einem anderen Experten (Allgemeinmediziner, Psychologen, Wissenschaftler, …). Eltern und auch Patienten treffen ihre Entscheidungen nicht immer aufgrund von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Wenn es aber die Möglichkeit gibt, Entscheidungen auf Basis solider wissenschaftlicher Daten zu treffen, dann sollten wir davon Gebrauch machen. Ihr Arzt kann ihnen dabei helfen, vertrauenswürdige Seiten zu finden. Fragen sie, welche Seiten er ihnen empfehlen kann.
  3. Verwenden sie Seiten, die mit akademischen Einrichtungen oder Gesundheitseinrichtungen zusammen arbeiten. Vielfach werden diese Seiten in Zusammenarbeit mit den dortigen Wissenschaftlern und anderen Experten erstellt. Vermeiden sie den Besuch von Seiten, auf denen viel Werbung zu finden ist. Die dortigen Inhalte könnten unter Umständen den Bedarf wecken, dass eines der angebotenen Inhalte für ihre Gesundheit unerlässlich ist.

 

Nach Ansicht der Kinderärztin sollten die Ärzte auf keinem Fall verlangen, dass die Patienten nicht mehr im Internet nach entsprechenden Informationen suchen sollten. Die Zeiten haben sich geändert – nachdem bereits die Hälfte der Patienten mittels Dr. Google nach Diagnosen sucht, sollten wir vor Ort sein und sie dabei unterstützen. Die Ärzte müssen die Familien leiten können und ihnen vertrauenswürdige Seiten anbieten, auf denen sie eigenständig Wissen erwerben können.

 

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Kinderärztin: Dr. Wendy Sue Swanson, sie bloggt unter dem Namen Seattle Mama Doc

 

Quelle: Swanson W.S. (2013). Dr. Google: Tips for patients who diagnose online. http://www.kevinmd.com/blog/2013/02/dr-google-tips-patients-diagnose-online.html

Letzte Änderung am 29/06/2014

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