Montag, 10 Juni 2013 00:00

Zeichnet Angelina Jolie eines falsches öffentliches Bild über Brustentfernungen?

Shirie Leng ist eine Narkosefachärztin die in Ihrem Blog immer wieder interessante Fragestellungen aufgreift. In einem Ihrer letzten Beiträge beschreibt Sie die mögliche Verharmlosung der Gefahren einer Brustentfernung. Das wohl mittlerweile bekannteste Beispiel ist Angelina Jolie. Sie hat sich vor kurzem dazu entschlossen, Ihre beiden Brüste operativ entfernen zu lassen. Diese Mitteilung ging um die ganze Welt.

Die Mutter einer Frau stirbt mit 56. Eine Blutuntersuchung wird durchgeführt und es stellt sich heraus, dass diese Frau ein erhöhtes genetisches Risiko für das Auftreten von Krebs hat. Sie machte nun, was Sie glaubte, unternehmen zu müssen. Eine bekannte Geschichte die sich tag täglich wieder und wieder auf der ganzen Welt wiederholt. Shirie Leng hat oft mit solchen Patientinnen zu tun. Eine Situation die nicht „normal“ ist und von der familiären Situation abhängt. Derartige Entscheidungen müssen von den Frauen selbst getroffen werden und führen kaum zu einem medialen Interesse. Nicht aber bei Angelina Jolie. Sie hat einen hohen Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit und Ihre Meinung bzw. Ihre Aussagen bleiben nicht ungehört. Von dieser Tatsache macht Sie aber auch Gebrauch!

 

Gerade beim duktalen Karzinom in situ (krankhafte Wucherung neoplastischer Zellen in den Milchgängen der weiblichen Brust) ist nicht unbedingt eine Krebserkrankung (Anmerkung: vielmehr handelt es sich um eine Krebsvorstufe) und kann mit einer Lumpektomie (brusterhaltenden Operation) behandelt werden. Handelt es sich aber um einen Krebs, der auf eine BRCA1-Genmutation zurückzuführen ist, so gibt es diese Behandlung in diesem Falle nicht.

 

Die Fachkollegen der Ärztin sind größtenteils der Meinung, dass Angelina Jolie die richtige Entscheidung getroffen hat. Gerade weil Sie über diese Entscheidung auch in der Öffentlichkeit spricht, können andere Frauen dazu motiviert werden, auch diesen schwierigen Weg zu gehen. Zudem wird das Bewußtsein über diese Genemutationen in der Öffentlichkeit stärker ausgebaut. Selbst die angesehene New York Times brachte das Brustkrebsthema auf Ihrer Titelseite.

 

Das eigentliche Problem

 

Die Entfernung beider Brüste ist kein harmloser Eingriff. Es scheint aber, als hätte für Angelina Jolie dieser Eingriff eher zum Alltag gehört. Es war nie die Rede von irgendwelchen Problemen oder anderen Einschränkungen. Sie sagt sogar, dass Sie bald wieder Ihr gewohntes normales Leben hatte. Gerade hier gilt es aber Kritik zu üben, denn Angelina Jolie hat wirklich kein Leben wie es der „Durchschnittsbürger“ hat. Daher sollten Ihre Aussagen nicht als Maßstab für die Allgemeinbevölkerung angesehen werden. Die Wahrheit ist, dass dieser Eingriff durchaus mit großen Schmerzen verbunden ist. Das Gewebe braucht Zeit für die Umstellungen und zudem müssen weitere Schritte für die Implantate gesetzt werden. Was die Implantate betrifft, so besteht hier die Gefahr, dass sich darum Kapseln bilden, diese aufbrechen oder sich in der Wunde Infektionen bilden. Wird eine Option gewählt, die auf die Wiederherstellung der Brust abzielt, so besteht nicht nur die Gefahr, sich auf einer Intensivstation wiederzufinden, sondern auch, dass möglichweise viele Operationen dafür notwendig sind. Nicht immer stellt sich dadurch das gewünschte Ergebnis ein, das heißt, die Brust entspricht nicht den Erwartungen der Frauen. Frau Jolie zielt mit Ihren öffentlichkeitswirksamen Aussagen sicher nicht darauf ab die Frauen zu verunsichern, viel eher will Sie diese in Ihren Entscheidungen stärken. Die Narkosefachärztin wiederum will auch niemanden davon abhalten oder negativ beeinflussen, sondern wiederum darauf hinweisen, dass die Berichte über die Operation von Angelina Jolie in den Medien vielfach zu rosig dargestellt werden.

 

Die Entfernung beider Brüste ist nicht zu verurteilen, denn teilweise ist ein solcher Eingriff leider notwendig. Aber jene Personen, die im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen, sollten auch besonders darauf achten, welche Empfehlungen Sie aussprechen.

 

Dieser Beitrag beschreibt die Einzelmeinung einer Fachärztin, wurde aber deswegen von mir übersetzt, weil ich auch der Meinung bin, dass man den Aussagen unserer „Stars“ oder anderen Persönlichkeiten nicht unbedingt uneingeschränkt folgen sollte. Viel mehr sehe ich die Geschichte rund um Angelina Jolie als Wegbereiter für eine sehr wichtige Fragestellung. Sie sehen, das Thema Gesundheitskompetenz endet nicht nur bei Ihren persönlichen Anliegen, sondern erstreckt sich auch über die Aussagen von anderen Personen.

 

Sollte bei Ihnen ein solcher oder ähnlicher Eingriff bevorstehen, so wünsche ich Ihnen auf jeden Fall alles Gute und scheuen Sie nicht, eine zweite Fachmeinung einzuholen.

 

Vernetzen Sie sich mit mir auch auf FacebookTwitter und Xing!

 

Quelle:

Stein S.( 2013). What Angelina Jolie and bariatric surgery patients have in common. Link

 

Bildnachweis:

http://www.wallpapersonview.com

Letzte Änderung am Sonntag, 29 Juni 2014 19:07

Schreibe einen Kommentar

Achten Sie darauf, die erforderlichen Informationen einzugeben (mit Stern * gekennzeichnet).
HTML-Code ist nicht erlaubt.

Health Consulting

Seit 2014 bin ich als selbständiger Unternehmensberater mit den Schwerpunkten Health Literacy und Social Health tätig. Zusammen mit verschiedenen Netzwerkpartnern kann ich Ihr gewünschtes Projekt rasch und zuverlässig umsetzen. Gerne stehe ich auch als externer Berater zur Verfügung.

eBook-Promotion

Coverbild

Das eBook "Zukunftsdisziplin Gesundheitskompetenz" zeigt Ihnen auf rund 270 Seiten, wie Sie mit den gesundheitsrelevanten Herausforderungen besser umgehen können. Welche Vorteile ergeben sich durch mehr Kompetenzen und wie kann ich diese steigern?

Kostenloser Ratgeber

Broschuere Web Vorschaubild

Die Suche nach hochwertigen Gesundheitsinformationen im Internet ist nicht immer einfach. Dieser einfach verständliche Ratgeber erläutert Schritt für Schritt wie Sie schnell und einfach zu qualitativ hochwertigen Gesundheitsinformationen kommen. 

Qualitätsauszeichnungen

medisuch Siegel2012mx4 Diese Web Seite ist von der Health On the Net Stiftung akkreditiert. Seit 2015 wird aus Kostengründen darauf verzichtet - die Einhaltung des HON-Codes hat trotzdem oberste Priorität frag Finn - Seiten für Kinder


Die Qualität der angebotenen Informationen ist mir wichtig, diese unabhängigen Organisationen bestätigen dieses Vorhaben.