25/08/2013

Prävention – Der Exot in unserem Gesundheitssystem

Prävention ist ein Thema das in der Bevölkerung gut ankommt – wenn auch gleich nur selten in ausreichendem Maße zu finden ist. Jetzt da in unserem Land wieder Wahlen anstehen und die Kosten für unsere Reparaturmedizin weiter im Steigen begriffen sind, hört man diesen Begriff wieder öfter.

 

Der Begriff ist somit vermutlich den meisten Menschen bekannt, doch kann jeder mit diesem Schlagwort etwas anfangen? Was verstehen wir unter der primären, sekundären oder der tertiären Prävention?  Wie hängen diese mit der Gesundheitsförderung zusammen?

 

Bei der Prävention geht es allgemein um die Verringerung von vorhandenen Risikofaktoren. Im Gegensatz dazu versucht man bei der Gesundheitsförderung die gesundheitlichen Lebensbedingungen zu verbessern und Schutzfaktoren zu erhöhen. Es wird davon ausgegangen (salutogenetisches Modell nach Antonovsky), dass es zwischen Gesundheit und Krankheit ein gewisses Kontinuum gibt. Präventionsmaßnahmen zielen daher darauf ab, dass wir nicht krank werden, während hingegen die Gesundheitsförderung darauf abzielt, die individuelle Gesundheit zu verbessern – beide widersprechen einander damit nicht, sondern ergänzen sich.

 

Die Prävention

Mittels Primärprävention soll das Neuauftreten von Krankheiten vermieden werden. Als Zielgruppe werden vor allem jene Personen ins Auge gefasst, die noch keine Krankheitssymptome haben. Als Beispiele können Impfprogramme oder die Suchtprävention genannt werden.

 

Zielt man hingegen auf die Früherkennung von Krankheiten ab, so spricht man von Sekundärprävention. Die wohl bekanntesten Beispiele sind das Brustkrebsscreening bei Frauen und das Prostata-Screening bei Männern. Beide Maßnahmen sind in der Fachliteratur umstritten, denn der Nutzen dieser großflächigen Maßnahmen und somit kostenintensiven Interventionen ist fraglich. Screening Maßnahmen verfolgen das Ziel, vorhandene Krankheiten möglichst früh zu erkennen und somit wirksam zu bekämpfen. Das setzt natürlich voraus, dass Krankheiten bei früherer Erkennung auch wirklich wirksam bekämpft werden können.

 

Bei der Tertiärprävention kommt es nach einer Akutbehandlung zur Widerherstellung bzw. bestmöglichen Wiedereingliederung des Betroffenen in den Arbeitsalltag (Rehabilitation).

 

Von der Theorie her also sind das alles sinnvolle Maßnahmen, die der Gesundheitserhaltung der Bevölkerung dienen. Es ist bereits seit langem bekannt, dass jeder Euro der heute in die gezielte Vorsorge investiert wird, in Zukunft mehrfach wieder eingespielt wird. Studien sprechen hier von einem Verhältnis von 1:30. Ein Euro wird jetzt investiert und 30 Euro können in Zukunft bei späteren Kosten für Krankenstände oder beispielsweise für Produktionsausfälle eingespart werden. Eigentlich ein gutes Investment, selbst wenn das Verhältnis nur 1 zu 10 oder 1 zu 15 wäre!

 

Die Praxis und Realität sieht in Europa und vor allem in Österreich anders. Laut den aktuellen Zahlen von Statistik Austria liegen die aktuellen Gesundheitsausgaben für Österreich bei rund 32 Milliarden Euro. Davon wurden in die Prävention und den öffentlichen Gesundheitsdienst aber nur 460 Millionen Euro investiert, das entspricht einem Anteil von rund 1,5 Prozent der Gesamtausgaben. Im Vergleich dazu liegt der europäische Durchschnitt bei rund 2 Prozent. Belgien investiert rund 4 Prozent und Italien 0,6 Prozent.

 

Zur Verteidigung des Systems und somit auch der Politik muss gesagt werden, dass wir eigentlich selbst auch viel dazu beitragen können, Krankheiten zu vermeiden (Prävention). Mehr Sport und weniger rauchen wären ein wunderbarer Anfang. Es kommt somit nicht nur auf die staatlichen Leistungen an. Es am vorhandenen Wohlstand, der Trägheit von uns Menschen und den vielfältigen Maßnahmen der Spitzenmedizin (Reparaturmedizin) liegen, dass wir selbst erst aktiv werden, wenn bereits eine Krankheit (Symptom) oder ein gesundheitliches Problem aufgetreten ist.

 

Martin Sprenger, Leiter des Universitätsganges für Public Health in Graz, sieht als effizienteste Präventionsmaßnahme die Bildung. Es scheint so, als könnte die Bildung einer der wesentlichsten Hauptfaktoren für Gesundheit sein. Mit steigender Bildung steigt zumeist auch die berufliche Stellung und somit das Einkommen (sozioökonomische Faktoren). In den letzten 100 Jahren ist die durchschnittliche Lebenserwartung um zirka 30 Jahre gestiegen. Diesen enormen Zuwachs verdanken wir nur zu einem geringen Teil (5 Jahre) der Medizin (noch weniger der heutigen Spitzenmedizin), sondern vor allem den Maßnahmen im Public Health Bereich (25 Jahre). Hier sind  Maßnahmen wie die Verbesserung der Hygiene, Lebensmittelversorgung und Arbeitsplatzsicherheit zu nennen.

 

Ich persönlich möchte die oben genannten Faktoren vor allem um den Punkt Gesundheitskompetenz erweitern. In gewisser Weise ist es eine Form der Bildung bzw. der Gesundheitskommunikation. Viele Fertigkeiten und Fähigkeiten sind in Vergessenheit geraten – diese gilt es nun gemeinsam wieder zu erlernen und aufzufrischen. Zudem sollten wir uns nicht von den Werbeversprechen der verschiedenen Unternehmen täuschen lassen, die Gesundheitsförderungsmaßnahmen für Betriebe anbieten. In diesem Bereich lässt sich viel Geld für die ausführenden Unternehmen verdienen. Hier muss auf jeden Fall auf Nachhaltigkeit von Maßnahmen geachtet werden und nicht auf die einmalige Aktion die das rein darauf abzielt, dass überhaupt einmal eine Maßnahme gesetzt wurde. Diese Ausgabe hat keine Nachhaltigkeit.

 

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Quelle:

Feiertag Andreas (2013). Prävention – der große Hype

Statisik Austria

Wikipedia

Letzte Änderung am 29/06/2014

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