Sonntag, 19 Februar 2012 00:00

Leistungserbringung im Gesundheitsbereich (Pflege)

geschrieben von

1.   Was ist die Pflegewissenschaft und wozu wird sie benötigt?

Pflegewissenschaft ist:

eine empirische, praxisorientierte Disziplin, deren Ziel es ist, allgemeine Prinzipien zur Verbesserung der pflegerischen Dienstleistungen zu entwickeln.

Pflegewissenschaft wird benötigt für:

  •  die empirische Forschung
  • die Entwicklung und Überprüfung von Pflegetheorien
  • die Entwicklung von für die Pflege angemessenen Forschungsmethoden
  • die Erprobung und Umsetzung des gewonnenen Wissens in der Praxis (Theorie-Praxis-Transfer)
  • die Vermittlung von Wissen (Lehre)

 

2. Welche Bedeutung kann der Pflege allgemein in unserem Gesundheitswesen zugeordnet werden?

Die Aufgaben der Pflege ergeben sich einerseits durch die Definition des International Council of Nursing (ICN) andererseits durch das Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (GuKG).

 Die Tätigkeitsbereiche der Pflege umfassen laut §13 (1)

Ø  eigenverantwortliche

Ø  Mitverantwortliche

Ø  interdisziplinäre Tätigkeiten und können unselbstständig ( z.B. in Krankenhäusern, Altenpflegeheimen, bei Mobilen Diensten)oder auch freiberuflich wahrgenommen werden (z.B. Pflege in Familien).

Der eigenverantwortliche Tätigkeitsbereich umfasst z.B. die Diagnose, Planung, Organisation, Durchführung und Evaluation der Pflege

Der mitverantwortliche Tätigkeitsbereich umfasst therapeutische und diagnostische Maßnahmen nach ärztlicher Anordnung.

Der interdisziplinäre Bereich umfasst die Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen z. B. mit intra- und extramuralen Pflegediensten. 

Zusammenfassend:

Die Aufgabenbereiche der Pflege können als präventiv, kurativ, rehabilitativ, langzeit oder palliativ bezeichnet werden. Diese Aufgaben umfassen verschiedene Lebensphasen von pränatal bis ins hohe Lebensalter und richten sich nach dem Bedarf und den Bedürfnissen der zu pflegenden Personen.

Die Aufgaben der Pflege werden nicht nur am Individuum oder in der Familie wahrgenommen sondern umfassen auch Tätigkeiten in und für die Gemeinde oder die Politik.

Pflege soll fördern, erhalten, lindern, begleiten und unterstützen. Diese Aufgaben können komplex oder auch einfach sein und werden stationär oder ambulant wahrgenommen.

 

3. PatientInnen, -und Pflegeombudsschaft:

Die PatientInnen und Pflegeombudsschaft ist eine von der Gesetzgebung legitimierte Institution, die von der Verwaltung weisungsfrei ist, Beschwerden von Bürgern behandelt, jedoch keine anwaltliche Funktion ausübt.

 Zu den Aufgaben dieser Patientenvertretung zählen:

  • Entgegennahme von Beschwerden / Anregungen

-          Prüfung

-          Aufklärung

-          Umfassende Beratung

-          Erteilung von Auskünften

-          Starke mediative Rolle

  • Information über das Prüfungsergebnis

 Individuelle Vertretung:  bezieht sich auf den einzelnen Menschen.

Sektorale Vertretung: gesamtgesellschaftliche und gesamtrechtliche zur Unterstützung gesellschaftlicher Gruppen( Bewohner eines Pflegeheims,etc…)

 

Rechte und Pflichten :

-Aufklärung von Mängeln und Missständen

-Abgabe von Empfehlungen

-Zutrittsrecht in den Einrichtungen

-Auskunftspflicht gegenüber der Ombudsschaft von den Einrichtungen

 

Ziele:

Die informelle Streitschlichtung und die unparteiische Lösung eines Problems und letztendlich auch die Vermeidung von Gerichtsprozessen sind Ziele dieser Einrichtung.

Mediativer Charakter steht im Vordergrund.

  • Unterstützung der Betroffenen
  • Nach Wissensstand im Gesundheits, -und Sozialwesen
  • Vermitteln und bürokratische Hürden abbauen
  • Versorgung sicherstellen
  • Lösungen finden
  • Beachtung gesetzlicher Grenzen

 

Schlichtungsstellen:

 In der Steiermark gibt es 4 Schlichtungsstellen. Diese prüfen vermutete ärztliche Behandlungsfehler. Die Schlichtungsstellen arbeiten gerichtsähnlich.

Sie sollen dazu beitragen, außergerichtlich durch medizinische und rechtliche Prüfung eine für beide Seiten einvernehmliche Lösung zu erzielen.

Die Prüfung von Schlichtungsanträgen erfolgt durch die jeweiligen unabhängigen Schlichtungskommissionen.

Den Vorsitz führt ein Richter. Medizinische Gutachten werden von Sachverständigen erstellt.

Die Entscheidungen sind Vorschläge an die Betroffenen, die von diesen angenommen werden können oder auch nicht.

Falls ein Schlichtungsverfahren „negativ“ verläuft, ist für Patienten der Weg zum Gericht trotzdem noch offen.

Patienten oder Rechtsnachfolger von verstorbenen Patienten können Schadenersatzansprüche innerhalb der gesetzlichen Verjährungspflicht( 3 Jahre) wegen behaupteter Behandlungsfehler sowie Verletzung der Aufklärungspflicht geltend machen.

 

 Patientenentschädigungsfonds:

Als Gegenpart zur Schlichtungsstelle gibt es den Patienten-Entschädigungsfonds des Landes Steiermark(Landesgesetzblatt Nr. 113/2002)

Jeder Patient zahlt bei einem stationären Aufenthalt (in Fondsspitäler) 73 Cent/ Tag (max. 28 Tage) in Topf(für Haftung bei Schäden) ein.

Voraussetzung für einen Antrag beim Patienten-Entschädigungsfonds ist, dass der Patient kein Verschulden seitens des Arztes annimmt, sondern dass es ein schicksalhaftes Geschehen ist und dadurch dem Patienten große Unannehmlichkeiten(auch Kosten) entstanden sind. (vgl. http://www.aekstmk.or.at)

 Im Schadensfall werden maximal 22000 Euro Entschädigung aus diesem Topf ausbezahlt. 

 

4. Welche Zukunftskonzepte kann die Pflegewissenschaft für die Praxis liefern?

Die Konzepte können berufsgruppen- oder bedarfsspezifisch sein:

Berufsgruppenspezifisch gilt es Konzepte zu liefern, die folgende Herausforderungen der Zukunft abdecken sollen:

  • Administration, Organisation
  • Einfache Routinetätigkeiten
  • Standardisierte Verfahren und Techniken
  • Komplexe vorhersehbare Situationen
  • Hochkomplex, wenig strukturierte Situationen

Bedarfsspezifisch gilt es Konzepte zu liefern, die folgende Herausforderungen der Zukunft abdecken sollen:

  • Spezialisierung

-          kurze Aufenthaltsdauer akutstationär

-          chronische Krankheitsbilder/Versorgungsmanagement

-          Alltagsbewältigung

-          Information, Beratung, Unterstützung

-          Entlastung pflegender Angehöriger

-          Gesundheitsförderung, Prävention

  • Entwicklung neuer Angebote/Serviceleistungen

dies ergibt Konsequenzen für die Systemgestaltung auf mehreren Ebenen:

  • Bedarfsorientierte Versorgungsstrukturen: stationär, teilstationär und ambulant etablieren
  • Kooperation und Zusammenarbeit

-          Strukturen für multiprofessionelles Team

-          Ausbau des Care- und Casemanagements

-          Konzentration auf Prozesse/Versorgungsbedarf

  • Rahmenbedingungen für Personal

-          entsprechende Aus-, Fort-, Weiterbildung

-          Entwicklung von Leitlinien für integrierte Versorgung

 

5. Welcher Nutzen ist durch die Höherqualifizierung im Pflegebereich zu erwarten?

Die demographische Entwicklung, die Möglichkeiten der lebenserhaltenden Medizin und die knapper werdenden Ressourcen bedingen einen veränderten Bedarf an Pflegeleistungen.

Das Hauptaugenmerk der Pflege kann sich nicht mehr nur auf eine reine pflegerische Leistung direkt am Patienten beziehen sondern muss verstärkt die Determinanten der Gesundheit wie z. B. verhaltensbezogene Faktoren, Umweltfaktoren und sozioökonomische Faktoren in ihre Pflege berücksichtigen.

Die Analyse von Pflege- und Sozialsituationen und damit verbundene Interventionen bedingen eine höhere Qualifizierung. Pflegende müssen in der Lage sein als Experten das österreichische Gesundheits- und Versorgungssystemsystem aktiv mitzugestalten.

 Bedarf der Höherqualifizierung bei:

Ø  Wissenschaftliche Forschung

Ø  Mitwirkung in der Weiterentwicklung des österreichischen Gesundheitssystems

Ø  Professioneller Planung

Ø  Anwendung von evidenzbasiertem Wissen

Ø  Verbindung von Pflegetheorie und Praxis

Ø  Entwickeln von Qualitätskriterien

Ø  Vermittlung von Wissen

Ø  Entwicklung von Leitlinien für integrierte Versorgung

Ø  Aufbau von bedarfsorientierten Versorgungsstrukturen

Ø  Schnittstellenmanagement z. B. zwischen Laien und Experten

 

Letzte Änderung am Dienstag, 22 Juli 2014 13:45

Health Consulting

Seit 2014 bin ich als selbständiger Unternehmensberater mit den Schwerpunkten Health Literacy und Social Health tätig. Zusammen mit verschiedenen Netzwerkpartnern kann ich Ihr gewünschtes Projekt rasch und zuverlässig umsetzen. Gerne stehe ich auch als externer Berater zur Verfügung.

eBook-Promotion

Coverbild

Das eBook "Zukunftsdisziplin Gesundheitskompetenz" zeigt Ihnen auf rund 270 Seiten, wie Sie mit den gesundheitsrelevanten Herausforderungen besser umgehen können. Welche Vorteile ergeben sich durch mehr Kompetenzen und wie kann ich diese steigern?

Kostenloser Ratgeber

Broschuere Web Vorschaubild

Die Suche nach hochwertigen Gesundheitsinformationen im Internet ist nicht immer einfach. Dieser einfach verständliche Ratgeber erläutert Schritt für Schritt wie Sie schnell und einfach zu qualitativ hochwertigen Gesundheitsinformationen kommen. 

Qualitätsauszeichnungen

medisuch Siegel2012mx4 Diese Web Seite ist von der Health On the Net Stiftung akkreditiert. Seit 2015 wird aus Kostengründen darauf verzichtet - die Einhaltung des HON-Codes hat trotzdem oberste Priorität frag Finn - Seiten für Kinder


Die Qualität der angebotenen Informationen ist mir wichtig, diese unabhängigen Organisationen bestätigen dieses Vorhaben.