Sonntag, 19 Februar 2012 00:00

Leistungserbringung im Primärbereich

geschrieben von

1.   Was ist die Primärversorgung und welche Bedeutung spielt sie?

Erste medizinische Anlaufstellen für Menschen mit gesundheitlichen Problemen (vor allem niedergelassene Hausärzte und Frauenärzte).

Gesundheitsberichterstattung des Bundes, http://www.gbe-bund.de/glossar/Primaerversorgung.html

Die Primärversorgung sollte die Rolle eines Erstkontaktes für Hilfesuchende darstellen, Erstversorgung für den Notfall, Beratung, Verhaltenshinweise oder auch Medika-Verschreibung. Sollten weitere Leistungen benötigt werden, stellt der/die Primärversorger eine Art Gatekeeper-Funktion dar: Überweisung zu Facharzt oder Ambulanz, Einweisung ins Krankenhaus, aber auch Beratung über alternative Behandlungsformen. In Österreich ist diese Gatekeeper-Funktion nur sehr schwach ausgeprägt, am ehesten noch im ländlichen Bereich vorhanden. Dies auch aus den unterschiedlichsten Gründen (z.B. Bequemlichkeit, Usus, eingeschränkte Ordinationszeiten, leichter Zugang zum sekundären/tertiären Sektor), wobei je nach Sichtweise Gründe für diese Determinanten vorliegen oder nicht. Fakt ist, dass Personen direkt Ambulanzen aufsuchen bzw. über diese stationär aufgenommen werden und so sekundärer und tertiärer Sektor oftmals in Fällen zum Einsatz kommt, in denen der Primärsektor zum Einsatz kommen sollte.

2.   Welche Auswirkungen hätte es, wenn das Laiensystem den Großteil der Probleme nicht mehr selbst lösen könnte?

 Geht man davon aus, dass zirka 80% der Beschwerden durch das Laiensystem versorgt, 18% durch primäre Versorgungsstrukturen abgedeckt und 2% im sekundären bzw. tertiären Bereich behandelt werden, dann kann eine minimale Übertragung innerhalb des Systems zu einer gewaltigen Kostenexplosion führen. Reduziert sich beispielsweise die Anzahl an Behandlungsfällen, die durch die Laienversorgung gedeckt werden können um 10% bzw. verschieben sich auch aus dem primären Bereich 10% in den sekundären/tertiären Bereich, dann würden bei einer Modellbevölkerung von 1000 Personen 80 weitere Patienten die primäre bzw. sekundär/tertiäre Versorgung aufsuchen. Von den ursprünglichen 180 Patienten die durch die Primärversorgung behandelt werden können, würden 18 Personen zusätzlich zu den bereits bestehenden 20 Personen in den sekundär/tertiären Bereich hinzugerechnet werden können.

Die Behandlungszahlen würden sich im Primärversorgungsbereich von zirka 180 auf 260 (+80) erhöhen und im sekundär/tertiären Bereich von 20 auf 38 (+ 18). Für die Primärversorgung würde das eine Mehrbelastung von zirka 45% bedeuten und für den sekundären/tertiären Bereich sogar 90%, also nahezu eine Verdoppelung.

Für das Gesundheitssystem wäre eine solche Entwicklung aus finanzieller Perspektive katastrophal und würde eine Kostenexplosion bedeuten, die untragbar wäre. Diese Rechnung versinnbildlicht auch die enorme Bedeutung des Laiensystems und die Bedeutung von Gesundheitsförderung und Prävention. Ein weiterer Aspekt der vor allem aus soziokultureller Perspektive vor diesem Hintergrund relevant ist, stellt das Aufbrechen von familiären Strukturen und Netzen dar, sowie den gesellschaftlichen Individualisierungstendenzen. Die Wirkung dieses Laiensystems ist maßgeblich  von der Einbettung von Personen in ein Netz aus Familie, Freunde und Bekannte abhängig.

3. Welche Aufgabe übernimmt die Ärztekammer?

 Die Aufgaben der Ärztekammer sind im Ärztegesetz festgeschrieben (www.ris.bka.gv.at). Die Aufgaben werden von unterschiedlichen Gremien wahrgenommen. Diese sind Vollversammlung, Vorstand, Kurienversammlung niedergelassene ÄrztInnen, Kurienversammlung angestellte ÄrztInnen, Verwaltungsausschuss des Wohlfahrtsfonds und Beschwerdeausschuss des Wohlfahrtsfonds (§ 73 ÄG).

Unter anderen sind die Aufgaben der Ärztekammern:

- Entwicklung und Erlassung von Satzungen (z.B. Wohlfahrtsfonds), Geschäftsordnungen, Dienstordnung für das Personal der Ärztekammer

- Wahrnehmung der Interessen der Ärzteschaft im Zusammenhang mit Vereinbarungen gemäß Artikel 15a B-VG

- Einrichtung von beratenden Ausschüssen

- Einrichtung einer Ausbildungskommission

- Durchführung von Visitationen (Überprüfung der Qualität der Ausbildung in anerkannten Ausbildungsstätten)

- Wahrnehmung und Förderung der beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen der angestellten ÄrztInnen, insbesondere der Abschluss und die Lösung von Vereinbarungen, die Entgelte (im Speziellen Gebühren und Zulagen) der angestellten ÄrztInnen betreffend

- Begutachtung von Gesetzesentwürfen

- Beratung von angestellten ÄrztInnen in arbeits-, dienst- und sozialrechtlichen Belangen

- Bestellung von Referenten für Kurienaufgaben

-          Vertretung der Arbeitgeberinteressen der ngl. ÄrztInnen durch den Abschluss von Kollektivverträgen (z.B. OrdinationsgehilfInnen)

- Abschluss und die Lösung von Gesamtverträgen und sonstigen Vereinbarungen mit den Trägern der Sozialversicherung und Krankenfürsorgeanstalten einschließlich Vereinbarungen über die Zahl und Verteilung der Vertragsärzte (nicht aber Vereinbarungen über die Auswahl von Bewerbern um Kassenstellen),

- die Wahrnehmung von Angelegenheiten der hausapothekenführenden Ärzte, insbesondere der Abschluss und die Lösung von Gesamtverträgen und sonstigen Vereinbarungen mit den Trägern der Sozialversicherung und Krankenfürsorgeeinrichtungen

- der Abschluss und die Lösung von Vereinbarungen über die Honorierung vorübergehender ärztlicher Leistungen in Krankenanstalten

- die Erlassung von Honorarrichtlinien für privatärztliche Leistungen

- die Durchführung von Ausbildungen und Schulungen des ärztlichen Hilfspersonals

- die Einrichtung eines ärztlichen Not- und Bereitschaftsdienstes

- die Wahrnehmung von Angelegenheiten der Wahlärzte

- die Erstattung von Berichten und Vorschlägen an die gemeinsamen Organe der Ärztekammer

- die Wahrnehmung von Angelegenheiten der Distrikts-, Gemeinde-, Kreis- und Sprengelärzte

- die Begutachtung von Gesetzesentwürfen, die ausschließlich niedergelassene Ärzte betreffen

- die Festsetzung einer Kurienumlage zur Bestreitung kurienspezifischer Angelegenheiten

- die Bestellung von Referenten für bestimmte Kurienaufgaben

Das Kammeramt wird geleitet durch einen Kammeramtsdirektor, der dem Präsidenten gegenüber weisungsgebunden ist. Der Kammeramtsdirektor führt die Dienstaufsicht und ist fachlich und dienstlich Vorgesetzter der Kammerangestellten. Er ist verantwortlich für die innere Organisation des Kammeramtes und hat dabei auf eine möglichst effiziente und sparsame Erfüllung der Aufgaben des Kammeramtes hinzuwirken.

Das Kammeramt hat die zur Erfüllung der Aufgaben der Kammer notwendigen fachlichen und administrativen Arbeiten zu leisten. Das Kammeramt hat insbesondere 

- die Beschlüsse der Organe der Kammer unparteiisch durchzuführen,

- die von den Organen der Kammer angeforderten Stellungnahmen zu erstellen,

- den Organen der Kammer zweckdienliche Vorschläge zu unterbreiten,

- für Information und Beratung der Kammerangehörigen Sorge zu tragen.

Weitere Informationen auf der Website: www.aekstmk.or.at

 

4.  Was ist der Unterschied zwischen Erst- und Primärversorgung? 

Nachdem es in der Literatur und auch in den Fachkreisen scheinbar keine einheitliche Meinung/Differenzierung  gibt, werde ich versuchen es mit meinen eigenen Worten zu erklären und im Anschluß einen Auszug von Primärversorgung aus dem Public Health Buch – Schwartz - bringen.

Unter Erstversorgung versteht ich die Summe aller  lebensrettenden Sofortmaßnahmen die jeder (med. Geschulte  und Laie) im Ernstfall leisten können sollte und auch muß (§323 c StGB). Die Primärversorgung wird durch die Allgemeinmediziner geleistet die eine umfassende Grundversorgung sicher stellen. (Laut Literatur gehören hier auch Apotheker, Gesundheitszentralen Psychologische Betreuer, Physiotherapeuten und Diätassistenten dazu.)

Auszug Schwartz Primärversorgung (=ambulante Versorgung S. 805)

In Deutschland wird die ambulante Versorgung fast ausschließlich durch die ambulante- und fachärztlich Versorgung  in freiberuflicher ambulanter Praxis bestimmt. …. Der Vertragsarzt soll einerseits den objektiven und subjektiven Versorgungsbedürfnissen seiner Patienten Rechnung tragen, zum anderen aber auch die Nachfrage von gesundheitlichen Gütern systemkonform steuern und zugleich Gebote der „good medical prectise“ beachten.

Für die Primärversorgung werden in anderen Gesundheitssystem auch Polikliniken, Ambulatorien, Ambulanzen, staatliche Arztpraxen sowie ambulante Pflegeeinrichtungen eingesetzt.

5. Welche Rolle spielen die Allgemeinmediziner in unserem Gesundheitssystem?

 

Der Allgemeinmediziner stellt normalerweise den ersten medizinischen Kontaktpunkt im Gesundheitssystem dar.

Er gewährleistet einen offenen und unbegrenzten Zugang für alle Nutzer.

Er ist Ansprechperson für alle Gesundheitsprobleme unabhängig von Alter, Geschlecht und anderen Merkmalen. 

AUFGABEN: (diese Liste hat nicht den Anspruch der Vollständigkeit)

 

Betreuung bei akuter und/ oder chronischer Erkrankung in den Ordinationsräumlichkeiten oder bei Hausbesuchen (medizinische Grundversorgung, aber auch Akut- und Notfallsversorgung)

Facharztüberweisung, Antrag zur Anstaltspflege

Koordinieren von anderen Bereichen der Primärversorgung  (z.B. Hauskrankenpflege)

Krankschreibung, Atteste (z.B. für Versicherungen)

Impfpasskontrolle- Impfungen

Tätigkeiten im geriatrischen und palliativmedizinischen Bereich

Organisation der sozialen Betreuung (z.B. Essen auf Rädern)

Gesundheitsbildung und Schulungen z.B. bei Diabetes

Prävention z.B. Risikoaufklärung (Nikotin, Alkohol, Adipositas, ……)

Durchführung und Koordination von Früherkennungsprogrammen

Mutter-Kind Pass Untersuchungen

Unterstützung bei Anträgen (Pflegegeld, Kuraufenthalte…….)

Beratungsmedizin (Reiseberatung, psychosoziale Beratung…..)

Zusätzlich gibt es noch die nicht verbesserten Gruppenarbeiten, vielleicht ist etwas Interessantes dabei.

 

Gruppen-Arbeiten zur Thematik

Gruppe 1

Fragestellung und Ausgangssituation

Eine bessere Integration der Sekundär- und Primärversorgung ist ein wichtiges Ziel vieler europäischer Gesundheitssysteme. Beschreiben Sie bitte die derzeitige Situation der integrierten Versorgung in Österreich (SWOT-Analyse).

Eine bessere Integration der Sekundär- und Primärversorgung ist ein wichtiges Ziel vieler europäischer Gesundheitssysteme. Hintergründe lassen sich neben einer intensiver möglichen PatientInnenorientierung vor allem aus ökonomischer Sicht skizzieren. Durch die sektorale Trennung von Finanzierung und Verwaltung im österreichischen Gesundheitssystems, und den diffusen Verzweigungen von Entscheidungswegen, Kompetenzen und Mittelflüssen, begünstigt die vorgefundene Komplexität Kostenverschiebungen zulasten von effizienten Behandlungsabläufen und nachhaltigen Kosteneinsparungen (vgl. Korac, 2008). Die starke Fragmentierung sorgt über die Systemschnittstellen für eine mangelnde Kontinuität, so dass Leistungen wider dem Behandlungserfolg und der PatientInnenzufriedenheit erbracht werden und so neben Qualitätsdefiziten auch Optimierungspotenziale feststellbar sind. Mit der Gesundheitsreform im Jahr 2005 ist neben den strukturellen Veränderungen auch ein prozessorientierter Wandel mit Richtung integrierter Versorgung feststellbar (vgl. Competence Center Integrierte Versorgung der österreichischen Sozialversicherung & Österreichische Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin [CCIV & ÖGAM], 2009). 

Potentialfaktoren der integrierten Versorgung – Charakteristika

Stärken der integrierten Versorgung

Eine maßgebliche Stärke der integrierten Versorgung in Österreich ist die gesetzliche Verankerung im Zuge der Gesundheitsreform 2005. Durch die Schaffung von Reformpoolprojekten, die eine eingeschränkte Finanzierung aus einer Hand sowie einen rechtlichen Rahmen außerhalb der regulären Versorgung zulassen, ist ein Nahtstellenmanagement erstmals in organisierter Form möglich (vgl. CCIV & ÖGAM, 2009). Rhetorisch oder real? Hier wäre ein kritischer Satz ganz gut, um den bisherigen Erfolg dieser Reform 2005 in Bezug auf die integrierte Versorgung zu skizzieren.

Dabei obliegt der Bundesgesundheitsagentur, laut Art 5 der Vereinbarung gemäß Art 15a B-VG, entsprechende Rahmenvorgaben im Hinblick auf Struktur, Prozesse und gewünschte Ergebnisse österreichweit einheitlich festzulegen. Die Landesgesundheitsfonds haben die Aufgabe die Umsetzung der Rahmenvorgaben, soziale, ärztliche, pflegerische und therapeutische Versorgungsbereiche bzw. ambulante, teilstationäre und stationäre Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens, als auch Gesundheitsförderung und Prävention, voranzutreiben, sowie darüber Bericht zu erstatten (vgl. Bundesministerium für Gesundheit [BMG], 2009a).

Bei der integrierten Versorgung steht die Erhöhung des PatientInnennutzens im Mittelpunkt. Durch sektorenübergreifende (muss über das formelle System hinausgehen! Stichwort: Selbstversorgung, -management) Kooperationen, standardisierte Behandlungskonzepte sowie Vermeidung von Ineffizienzen ergibt sich für die PatientInnen eine schnellere Verfügbarkeit der richtigen Versorgung, sowie durch transparente Informationen eine verbesserte Betreuungsqualität. Die größten Projekte in Österreich betreffen Entlassungs- bzw. Casemanagementmodelle sowie Diseasemanagementprogramme (Kritische Analyse! Sehr medizinisch und ExpertInnenzentriert, hochgradige Kommunikationsdefizite da keine theoretische Grundlage, Verwendung des veralteten Modells der Gesundheitserziehung / -schulung, Empowerment bleibt zumeist rhetorische Worthülse, …)

Ökonomischer Nutzen wird durch einen effizienten Ressourceneinsatz der beteiligten Personen, die Vermeidung von Folgeerkrankungen und die Verbesserung der PatientInnenzufriedenheit erzielt. (vgl. Deutscher Bundestag, 2007).

Schwächen der integrierten Versorgung

Die größte strukturelle Schwäche des österreichischen Gesundheitssystems liegt in den getrennten Finanzierungskreisläufen. Die Krankenversicherungsträger finanzieren den extramuralen / ambulanten Bereich und einen Teil der Krankenhauskosten. Die Krankenhauskosten werden durch die Kassen mit einem Pauschalbetrag abgedeckt. Aus Steuermitteln werden mit voller Abgangsdeckung die restlichen Spitalskosten finanziert. Durch diese Trennung versuchen Spitäler Leistungen auszulagern, um Kosten zu sparen. Die Krankenversicherungsträger wiederum versuchen Leistungen im extramuralen Bereich einzudämmen. Daher werden Leistungen nicht dort erbracht wo sie gesamtwirtschaftlich effizient und qualitätsvoll erbracht werden können. Diese Pluralität führt somit zu Bruchstellen in der Versorgungskette. Passt! Allerdings endet die integrierte Versorgung nicht beim niedergelassenen Arzt/Ärztin, sondern bei den Betroffenen bzw. beginnt sie dort eigentlich

Durch diese Strukturschwächen kommt es zu Defiziten im Nahtstellenmanagement zwischen dem intra- und extramuralen Bereich. Versorger sind zu wenig vernetzt, sodass es zu Kommunikationsmängeln, Doppelbefundungen, etc. kommt. Es fehlt an der Kontinuität der Betreuung der PatientInnen, da es keine systematische Steuerung der Versorgungsabläufe gibt. Die PatientInnen werden nicht in jenen Leistungsbereichen versorgt, wo ihr medizinischer und pflegerischer Bedarf mit geeigneten Ressourcen behandelt wird. Selbstversorgungssystem quantitativ größtes Krankenversorgungs- und Pflegesystem!

Neben einer einheitlichen Dokumentation von medizinischen Leistungen und Diagnosen, fehlen auch Wirksamkeitsnachweise für Behandlungsmethoden, Therapien und definierte Qualitätsstandards für die Erbringung von Leistungen in allen Segmenten des Gesundheitswesens (vgl. CCIV & ÖGAM, 2009; Hofmarcher & Rack, 2006).

Systemanalyse

Chancen einer integrierten Versorgung

Im Rahmen der Gesundheitsreform 2005 wurde vereinbart, dass bis 2008 bis zu zwei Prozent der gesamten öffentlichen Gesundheitsausgaben für den Kooperationsbereich zwischen stationärer und ambulanter Versorgung im Rahmen von Reformpoolprojekten reserviert werden (vgl. BMG, 2008). Obwohl diese zwei Prozent für nicht mehr in der neuen Artikel 15a B-VG – Vereinbarung (2008 bis 2013) enthalten sind, wird der Reformpool weiterentwickelt und ausgebaut. Mit Juni 2009 wurden 56 Projekte bundesweit dokumentiert, wobei das Disease Management Programm „Therapie aktiv“ als einziges Projekt bundesweit implementiert wurde (vgl. BMG, 2009b).

Dies zeigt, dass der Rahmen zur integrierten Versorgung im Gesundheitswesen grundsätzlich geschaffen wurde. Ein Ausbau der zur Verfügung stehenden Mittel ist jedoch wünschenswert und notwendig um die Ausrollung von schon erprobten Programmen flächendeckend auf Österreich zu ermöglichen und den Nutzen von integrierter Versorgung, nämlich einer patientInnenorientierten und kosteneffizienten Leistungserbringung sichtbar zu machen.

Als österreichische Chance einer integrierten Versorgung kann das gute Versorgungsnetz der niedergelassenen AllgemeinmedizinerInnen gesehen werden (vgl. Hofmarcher & Rack, 2006). Sie können als erste Kontaktperson mit dem/der  PatientIn einen raschen und kompetenten Zugang zur Versorgung ermöglichen. In den vorhandenen Strukturen könnten die niedergelassenen ÄrztInnen ein neues Bewusstsein für ihre Rolle als "gatekeeper" (Hier fehlt ein Satz zur Ausbildung?)  entwickeln und die Weitergabe von relevanten Informationen zwischen niedergelassenen AllgemeinmedizinerInnen, FachärztInnen sowie dem stationären Bereich verbessern.

Integrierte Versorgung weiter denken! Auch Gesundheitsförderung und Prävention sind Teil einer integrierten GESUNDHEITSversorgung.

Risiken einer Integrierten Versorgung

Laut Artikel 15a B-VG – Vereinbarung haben sich die Vertragsparteien auf die Konzeption und Einführung der elektronischen Gesundheitsakte (ELGA) und der elektronischen Verschreibung verständigt. Dies bedeutet eine Herausforderung in datenschutzrechtlicher Hinsicht. Die Auseinandersetzung der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt (2009) mit dieser Thematik zeigt eine Vielzahl noch ungeklärter Risiken und Fragen, in Hinblick auf die Generierung und Nutzung von Daten die Assistive Technologien ermöglichen auf. Dabei werden nicht nur die Funktionen von Servicecenter - z.B. Datensammlung von mobilen EKG Geräten - hinterfragt, sondern auch die mögliche Verdrängung des Hausarztes/Hausärztin als Gatekeeper durch diese neue Berufsgruppe.

Mögliche Risiken oder aber auch Herausforderungen werden vom CCIV & ÖGAM (2009) in folgenden Bereichen geortet:

  • Finanzen und Investitionen –derzeitige Mittel ermöglichen lediglich die Erprobung von Projekten.
  • Wirksamkeit und Qualität – schwierige Erfassung von Daten die den Nutzen von integrierter Versorgung belegen. Messung von Prozess- und Ergebnisqualität erfordern eine zusätzliche Spezialisierung der Akteure.
  • Arbeitsteilung –  Gleichgestellt Anerkennung aller mitwirkenden Fachrichtungen.
  • Siehe oben

S.W.O.T. Analyse

Stärken

Schwächen

  • Gesetzliche Verankerung von Reformpoolprojekten in der Gesundheitsreform 2005
  • Finanzierung der Reformpoolprojekte aus einer Hand (Ländergesundheitsfonds)
  • Getrennte Finanzierungskreisläufe zwischen intra- und extramuralen Versorgung
  • Volle Abgangsdeckung der Spitalskosten aus Steuermittel
  • Doppelte Leistungserbringung durch fehlende Nahtstellenmanagement

Chancen

Risiken

  • Bundesweite Umsetzung von Reformpoolprojekten
  • Bessere Vernetzung der intra- und extramuralen Versorgung
  • HausärztInnen als „gatekeeper“ im Versorgungssystem
  • Finanzielle Mittel der Reformpoolprojekte ermöglichen weiterhin nur die Erprobung von Projekten
  • Daten- und Qualitätsmanagement werden nicht adäquat implementiert
  • Gleichgestellte Anerkennung aller mitwirkenden Fachrichtungen ist weiterhin nicht gegeben

Ausblick

Internationale Modelle der integrierten Versorgung bestätigen, dass nicht alle Leistungen für alle Menschen integriert werden können und Integration zunächst mit Kosten verbunden ist. Integrierte Versorgung ist eine Investition für einen gewissen Teil der Bevölkerung, deren Ertrag erst im Laufe der Zeit sichtbar wird.

Die Herausforderung in Österreich ist die Schaffung eines langfristigen gemeinsamen Finanzierungstopfes, der sowohl heute Ausgaben in den an der integrierten Versorgung beteiligten Einrichtungen ermöglicht, als auch Kosteneinsparungen morgen an dieselben weitergeben kann. Mit Transparenz als demokratischen Prinzip öffnet die Politik der Versorgungsplanung die Möglichkeit zur Steigerung der Qualität, damit, zumindest aus Sicht der PatientInnen, Schnittstellen zu Nahtstellen werden.

Gruppe 2

Kurzbericht der ExpertInnenkommission des ULG Public Health der Medizinischen Universität Graz vom 09.10.2009

Fragestellung

Wie entwickelte sich der Pflichtversicherungsschutz in Österreich in den letzten fünf Jahren (Abdeckungsgrad)? Welche Personengruppen sind aus welchen Gründen vom Pflichtversicherungsschutz ständig oder temporär ausgenommen?

Berichterstattung

Die staatliche Sozialpolitik in Österreich fällt zum größten Teil in die Kompetenz des Bundes. Laut Artikel 10 Abs. 1 Bundes-Verfassungsgesetz obliegt dem Bund die Gesetzgebung und Vollziehung in Angelegenheiten des Arbeitsrechts, des Sozialversicherungs- und des Gesundheitswesens (mit Einschränkungen betreffend die Heil- und Pflegeanstalten). In manchen Ländern, so auch in Österreich, gibt der Staat einen Teil seiner diesbezüglichen Aktivitäten an besondere Institutionen ab, denen er zu diesem Zweck öffentlich-rechtliche Befugnisse verleiht. Hier sind in erster Linie die Sozialversicherungsträger zu nennen, die in der Form der Selbstverwaltung eingerichtet sind.

Die österreichische Sozialversicherung garantiert unabhängig von Alter, Einkommen, sozialer Herkunft und Bildung hochwertige Gesundheitsversorgung und schließt von vornherein Risikoüberlegungen aus. Durch die gesetzliche Versicherungspflicht wird sichergestellt, dass nur der gesetzliche Tatbestand entscheidend ist, den Gefahren einer Existenzbedrohung zu entgehen.  

Die Pflichtversicherung in Österreich wird für unselbstständig Erwerbstätige durch das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz (ASVG) und das Beamten- Kranken- und Unfallversicherungsgesetz (B-KUVG) sowie für selbstständig Erwerbstätige durch das Gewerbliche Sozialversicherungsgesetz (GSVG) und das Bauern-Sozialversicherungsgesetz (BSVG) geregelt. In der Krankenversicherung pflichtversichert sind auch die BezieherInnen einer Pension nach dem ASVG, GSVG und BSVG, desgleichen die BezieherInnen von Ruhe- und Versorgungsgenüssen im Anschluss an ein öffentlich-rechtliches Dienstverhältnis (pensionierte BeamtInnen und deren Hinterbliebene).

Weiters sind die Arbeitslosen, die KinderbetreuungsgeldbezieherInnen, die Kriegshinterbliebenen und die AsylwerberInnen in den Krankenversicherungsschutz einbezogen. In der Krankenversicherung nach dem ASVG, dem GSVG und dem BSVG gibt es auch freiwillig Versicherte (Selbstversicherte nach dem ASVG, Weiterversicherte nach dem GSVG und BSVG).

Der Kreis der geschützten Personen ist größer als der Kreis der Versicherten. Leistungen der Krankenversicherung gebühren nicht nur für die Person des Versicherten, sondern auch - grundsätzlich ohne zusätzliche Beitragsleistung - für bestimmte im Wesentlichen zum Kreis seiner Familie gehörende Personen (Angehörige).[1]

 Neben der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es noch Krankenfürsorgeanstalten, die aufgrund eines Dienstverhältnisses zu bestimmten öffentlich-rechtlichen Dienstgebern Krankenschutz gewähren.

In den letzten fünf Jahren hat es zwei wesentliche Gesetzesänderungen zum Sozialrecht mit Änderungen für den Kreis der Pflichtversicherten gegeben:

Einerseits durch das Sozialrechts-Änderungsgesetz 2006 (SRÄG 2006), BGBl. Nr. 131/2006, wodurch § 123 ASVG (sowie die korrespondierenden Bestimmungen im GSVG, BSVG und B-KUVG) aufgrund eines Erkenntnisses des Verfassungsgerichtshofes novelliert und die Möglichkeit der Mitversicherung von mit der/dem Versicherten nicht verwandten Personen dahingehend eingeschränkt wurde, als diese nur dann als Angehörige gelten, wenn sie sich der Erziehung eines im gemeinsamen Haushalt lebenden Kindes oder der Pflege der/des Versicherten widmen. Darüber hinaus bestand demnach keine Mitversicherungsmöglichkeit von in Hausgemeinschaft lebenden Personen. Die Novelle ist mit 1. August 2006 in Kraft getreten.

Mit dem 3. Sozialrechtsänderungsgesetz 2009 (3. SRÄG 2009), BGBl. Nr. 84/2009 erfolgte abermals eine Novellierung zu § 123 ASVG (sowie zu den korrespondierenden Bestimmungen im GSVG, BSVG und B-KUVG). Mit der Neuregelung sollte die Möglichkeit der Mitversicherung von mit der/dem Versicherten nicht verwandten Personen insofern erleichtert werden, als das Erfordernis der Kindererziehung oder der Pflege der/des Versicherten entfällt. Das Bestehen einer zehnmonatigen Haushaltsgemeinschaft mit der/dem Versicherten sowie das Vorliegen der unentgeltlichen Haushaltsführung werden weiterhin vorausgesetzt. Im Rahmen einer besseren sozialen Absicherung von pflegenden Angehörigen in der Krankenversicherung soll nunmehr auch pflegenden Angehörigen von Selbstversicherten eine beitragsfreie Mitversicherung zustehen. Diese Novelle ist mit 1. August 2009 in Kraft getreten.

 Ausnahmen vom Pflichtversicherungsschutz betreffen folgende Personengruppen:

  • Illegale/ nicht registrierte ZuwanderInnen,
  • SozialhilfeempfängerInnen,
  • Personengruppen mit opting-out-Recht (NotarInnen, RechtsanwältInnen, WirtschaftstreuhänderInnen, ArchitektInnen, ApothekerInnen, TierärztInnen, ZivilingenieurInnen). Seit dem Jahr 2000 können (müssen) diese FreiberuflerInnen sich nach dem GSVG (§ 2 Abs.1 Z 4) in die Krankenversicherung einbeziehen lassen.

Es steht ihnen jedoch frei (Durchbrechung des ex-lege-Prinzips der Pflichtversicherung), anstelle dessen auch eine private Gruppenversicherung über ihre Interessenvertretung oder eine Selbstversicherung nach dem ASVG zu wählen,

  • Kinder und Enkel, sofern sie nicht mehr die Voraussetzungen des § 123 Abs. 4 ASVG bzw. der korresponierenden Bestimmungen im GSVG, B-KUVG und BSVG) erfüllen. (Seite 71)
  • Herausfallen aus dem Versicherungsschutz (Altersgrenze, Scheidung, Tod, …)
  • Arbeitslose ohne Anspruch auf eine Leistung aus der Arbeitslosenversicherung (Seite 70)
  • Haftentlassene
  • Geringfügig Beschäftigte („Non-Take-up“) (Seite 71)
  • Selbstständige („Non-Take-up“)
  • SchwarzarbeiterInnen
  • Obdachlose (Seite 72)

Bestimmte Personen sind von der Krankenversicherung ausgenommen, obwohl bei ihnen die Voraussetzungen für die DienstnehmerInneneigenschaft im Sinne des ASVG zutreffen. Der Grund für die Ausnahme liegt in der Regel darin, dass das Beschäftigungsverhältnis wirtschaftlich nur von untergeordneter Bedeutung ist. [2]

Einen Überblick über die Entwicklung des Pflichtversicherungsschutzes (Abdeckungsgrad) in Österreich in den letzten fünf Jahren gibt die folgende Tabelle:

Abdeckungsgrad (Geschützte Personen in der KV)

Jahr

Abdeckungsgrad in Prozent

2004

98,0

2005

97,8

2006

98,5

2007

98,7

2008

98,8

Quelle: HVB, eigene Darstellung

Zweifelhaft!!!

Wie in der Tabelle ersichtlich ist der Abdeckungsgrad in den letzten fünf Jahren gestiegen (Ausnahme bildet 2005 – warum? Bundesbetreuung!). Der Abdeckungsgrad betrug im Jahr 2004 98,0 %, im Jahr 2008 lag er bei 98,8 %, d.h. im Vergleich 2004 - 2008 lässt sich ein Anstieg um 0,8 Prozentpunkte feststellen.

Ein Vergleich der Jahre 2004 und 2008 liefert weiter folgendes Bild:

Im Jahr 2004 waren 7,941.500 Personen bzw. 98,0 % der Bevölkerung durch die soziale Krankenversicherung geschützt. Davon leisteten 5,624.100 Personen (2,904.500 Männer und 2,719.600 Frauen) Sozialversicherungsbeiträge, beitragsfrei mitversichert waren 2,117.400 Angehörige (839.200 Männer und 1,278.200 Frauen, davon 1,603.400 Kinder).  

Anspruchsberechtigt 2004 hingegen waren 7,741.500 Personen (3,743.700 Männer und 3,997.800 Frauen).

Im Jahr 2008 waren 8,249.600 Personen bzw. 98,8 % der Bevölkerung durch die soziale Krankenversicherung geschützt. Davon leisteten 5,988.500 Personen (3,080.600 Männer und 2,907.900 Frauen) Sozialversicherungsbeiträge, beitragsfrei mitversichert waren 2,061.100 Angehörige (832.700 Männer und 1,228.400 Frauen; davon 1,606.500 Kinder).  

Anspruchsberechtigt 2008 hingegen waren 8,049.600 Personen (3,913.300 Männer und 4,136.300 Frauen).

Im Fünf-Jahres-Zeitraum 2004 bis 2008 hat sich die Zahl der beitragsleistenden Personen somit um rund 364.400 erhöht.

Gruppe 3

 Fragestellung:

Der ambulanten Pflege kommt eine Schlüsselrolle im 21. Jahrhundert zu, um die demografischen und epidemiologischen Herausforderungen bewältigen zu können. Beschreiben Sie bitte die derzeitige Situation der ambulanten Pflege in Österreich (SWOT-Analyse).

1.       Kompetenzen und Zuständigkeiten

2.       Bedarf in Österreich

3.       Leistungserbringer ambulanter Pflege in Österreich

4.       Ausbildung und Personalbedarf in Ö

5.       Fazit.

Extrakt:

In Österreich leben rd. 540.000 pflegebedürftige Menschen, von denen 80% durch Angehörige gepflegt werden, Schätzwert der Leistungen 2-3 Mrd. Euro. Bis 2011 wird diese Zahl auf 800.000 steigen bei gleichzeitigem Rückgang pflegender Angehöriger. Zusätzliche Pflege wird derzeit in einem Fünftel der Fälle in Anspruch genommen, Tendenz steigend. Gleichzeitig steigt die Inanspruchnahme von Pflegegeld. Prognosen sprechen von Kostensteigerungen im Bereich der Pflege zwischen 66% - 207% bis zum Jahr 2030. Die Kompetenzen sind bundesländerspezifisch, bis auf ein Bundesland wird neben diplomierten Angestellten auch Personal mit einer entsprechenden Ausbildung zum Pflegehelfer eingesetzt. 

1.Kompetenzen und Zuständigkeiten von Bund, Ländern, Gemeinden und SV

Die Situation der ambulanten Pflege in Österreich in Bezug auf die Kompetenzen und Zuständigkeiten stellt sich als überaus komplex und bundesländerspezifisch dar[i]1 In den einzelnen Ländern werden die mobilen / ambulanten Dienste im Rahmen von Gesetzten und/oder Verordnungen geregelt. Darüber hinaus haben manche Länder Richtlinien erlassen, welche die von den Trägern zu erfüllenden Leistungen regeln. Von mehreren Ländern wird auf bundesgesetzliche Bestimmungen2 verwiesen.

Bis auf das Bundesland Niederösterreich wird in allen Ländern neben diplomierten Angestellten auch Personal mit einer entsprechenden Ausbildung zum Pflegehelfer eingesetzt. Das bedeutet jedoch nicht zwingend, dass seitens des jeweiligen Landes eine Unterscheidung – etwa in Form von eigenen Produkten – zwischen der medizinischen Hauskrankenpflege und der Hauskrankenpflege durch Pflegehelfer vorgenommen wird3.

2.Bedarf in Österreich

Derzeit leben in Österreich rund 540.000 hilfs- und pflegebedürftige Menschen zu Hause. Aufgrund der demographischen Entwicklung wird sich ihre Anzahl bis zum Jahr 2011 auf knapp 800.000 erhöhen.4Mit Bezug auf Erfahrungen in anderen Ländern wie auch für Österreich ist davon auszugehen, dass etwa 80%der pflegebedürftigen Menschen überwiegend informelldurch nahe Angehörige gepflegt werden, wobei etwa 80% der Pflegenden Frauen sind5.Quelle? Im Gegensatz zu den Kosten der formellen Pflege sind die Kosten der informellen Pflege kaum bekannt, hierzu liegen nur grobe Schätzungen aus dem wissenschaftlichen Bereich vor, die sich im Bereich von 2 bis 3 Mrd.6bewegen. Gleichzeitig sinkt die Zahl der pflegenden Angehörigen, die heute einen Großteil der Pflegeleistungen übernehmen. Etwa ein Fünftel nimmt zusätzlich die Hilfe von professionellen Pflege- und Betreuungspersonen in Anspruch. Aus dem Bericht des Arbeitskreises für Pflegevorsorge 2006 geht hervor, dass die Inanspruchnahme der ambulanten Dienste von 1999 bis 2006 um 21% gestiegen ist7. Als weiterer Indikator für die Entwicklung der Pflegebedürftigkeit in Österreich gilt die Anzahl der PflegegeldbezieherInnen. Im Zeitraum 1994 bis 2006 stiegen die Aufwendungen für Pflegegeld um 21,3%, für Sachleistungen um 154,6% und insgesamt um 54,4%. Insgesamt beziehen etwa 5% der ÖsterreicherInnen Pflegegeld. Je nach Prognosevariante sind bis zum Jahr 2030 Kostensteigerungen im Bereich der Pflegevorsorge zwischen 66% und 207% zu erwarten8. Wenngleich pflegende Angehörige eine wichtig Säule in der Österreichischen Versorgung darstellen, gibt es im Bereich der ambulanten Pflege bis dato kaum strukturelle Ansätze für unterstützende Angebote für pflegende Angehörige. Im Rahmen eigens eingerichteter Arbeitsgruppen sollen jedoch Dienstleistungs- und Qualitätssicherungsangebote für pflegende Angehörige etabliert werden9

Nach Schätzungen werden derzeit ca. 500 Mio. Euro für die ambulante Pflege und etwa 1,1 Mrd. Euro für die stationäre Pflege ausgegeben. ??? Bei etwa 20 € Nettokosten für die öffentliche Hand für eine ambulante Pflegestunde und 70 € Nettokosten für einen Tag stationärer Pflege heißt das, dass ab vier Pflegeeinsätzen am Tag die stationäre Pflege kostengünstiger ist.!!! 15 % der Pflegefälle werden der stationären Pflege zugeschrieben. Diejenigen die zu Hause versorgt werden, werden mit einem Pflegebedarf von durchschnittlich 140 Stunden (Pflegestufe 3) berechnet, 6 % dieses Pflegebedarfs entfällt auf professionelle ambulante Dienstleister und 25 % der Pflegefälle nehmen überhaupt ambulante Dienste in Anspruch.10

3.Leistungserbringer ambulanter Pflege

  • Mobile soziale Dienste

fallen laut Vereinbarung gemäß Art. 15a B-VG zwischen dem Bund und den Ländern in die Kompetenz der Länder; diese haben dafür Sorge zutragen, dass die mobilen sozialen Dienste  dezentral und flächendeckend angeboten werden11. Angeboten werden qualifizierte Pflege, Hilfe zur Weiterführung des Haushaltes und Aufrechterhaltung sozialer Kontakte durch die Hauskrankenpflege, Heimhilfe, Alten/PflegehelferInnen, AltenfachbetreuerInnen und Angebote wie Besuchsdienst, Essen auf Rädern und Fahrtdienst.

Siehe Entwicklung der Vollzeitäquivalente im Pflegebericht 2006 plus Recherche der Steigerung 2009?

  • Private informelle Pflege

Pflege durch Angehörige, in etwa 80% der Fälle informelle Pflege. Quelle? Erhebung / Monitoring (quantitativ und qualitativ) auf Länder und Bezirksebene?

  • Alternative formelle Betreuung

a)    Teilstationäre Betreuung

dient als Zwischenglied zwischen Betreuung zu Hause und Aufnahme in eine Pflegeeinrichtung, um den Verbleib in den eigenen vier Wänden durch tagsüber bereitgestellte aktivierende Betreuung zu ermöglichen.

Angebote: Tageszentren, Tagespflege, Tagesbetreuung

Gibt es einen regionalen Strukturplan Pflege?

b)    Betreute Wohnformen

bedeuten barrierefrei ausgestattete SeniorInnenwohnungen und ein Angebot an Pflege- und Betreuungspersonen zum Verbleib im eigenen Haushalt.6

Es fehlt die illegale bzw. inzwischen legalisierte Pflege? Zahlen, Daten, Fakten? (quantitativ, qualitativ)

4. Ausbildung und Personalbedarf  

In Österreich bedarf es nach GuKG (1997)12 keiner akademischen Abschlüsse für in der Pflege tätige diplomierte Pflegepersonen. Derzeit finden die Ausbildungen zum Gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege an Gesundheits- und Krankenpflegeschulen statt, welche nur in Verbindung mit einer Krankenanstalt zu führen sind.

Die Lebenserwartung, insbesondere der Anteil hilfsbedürftiger Menschen zwischen 75 und 85 Jahren steigt kontinuierlich. Der Bedarf an Pflege und Betreuung konnte bereits Anfang 2000 nicht vollständig gedeckt werden (das heißt, es besteht noch kein bedarfsgerechtes Angebot an Dienstleistungen für pflegebedürftige Menschen) und selbst bei gleichbleibender Hilfsbereitschaft der Familie ist ein Sinken ihrer Betreuungskapazität abzusehen. Man kann davon ausgehen, dass der Bedarf an Dienstleistungen voraussichtlich weiter steigen wird. Zusätzlich wurde ein Rückgang der BewerberInnenzahlen an Pflegeschulen Österreichs aufgrund geburtenschwacher Jahrgänge, attraktiverer Bildungsangebote im öffentlichen Bildungswesen und nichtadäquater Öffentlichkeitsarbeit für den Pflegeberuf und dessen Ausbildung verzeichnet. Im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen erarbeitete 2005 eine Arbeitsgruppe13 an zukünftigen Ausbildungsmodellen im Rahmen Gesundheits- und Krankenpflege und formulierte a) eine graduelle Differenzierung der Qualifikationsanforderungen, b) eine Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufs, c) keine Überforderung in Ausbildung und Beruf und d) eine Normierung des Bildungsweges Pflege als Ziele für das österreichische Pflegeausbildungssystem der Zukunft. Im Auftrag des Bundesministeriums (BM) für Gesundheit und Frauen erarbeitete im Jahr 2006 eine Arbeitsgruppe im Zuge des Projekts „Zukunft denken – Pflege und Altenbetreuung“14 ein 3 stufiges Bildungskonzept von der Stufe 1, der Ausbildung zur Pflegehilfe und Sozialfachbetreuung über die Stufe 2, den gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege auf Fachhochschulniveau bis hin zur Stufe 3, den gehobener Dienst für Spezialbereiche Lehre, Management, Forschung.

Curriculum: Inhalte ambulante Pflege?, Theorie und Praxis?

5. Fazit

 

Ambulante Pflege ist bereits Thema und wird in den nächsten Jahrzehnten an Bedeutung gewinnen. Derzeit besteht Bewusstsein darüber, dass der Bedarf steigen wird. Jedoch weiß niemand genau, wie sich die informelle Pflege entwickelt bzw. welche strukturellen Erfordernisse tatsächlich bestehen. Zudem besteht eine große Varianz in der Ausformung der Leistungen und Reglementierung unter den Bundesländern. Um effiziente, überregionale  Lösungen gestalten zu können stellen eine genaue Bedarfserhebung, einheitliche Regelungen, vereinheitlichte Ausbildung und eine erhöhte Attraktivität des Pflegeberufes eine Grundvoraussetzung dar.

Gruppe 4

Ausgangslage / Fragestellung

Die finanzielle Situation der österreichischen Sozialversicherung erscheint aus europäischer Sicht unklar. Von besonderem Interesse sind dabei die großen Unterschiede zwischen den einzelnen Krankenversicherungsträgern. Nennen Sie bitte die aus Ihrer Sicht wesentlichen Gründe.

 Stellungnahme aus ExpertInnensicht

1. Darstellung der Ausgangslage – Aufbau, gesetzliche Grundlagen und Finanzierung der österreichischen Krankensversicherung

Um den grundsätzlichen Aufbau und Funktionsmechanismus der sozialen (Kranken) ‑versicherung in Österreich zu verstehen, werden diese eingangs kurz dargestellt.

Die Finanzierung der Gesundheitsausgaben in Österreich erfolgt aufgrund definierter Aufgaben in den Verfassungs- und Sozialversicherungsgesetzen pluralistisch (siehe Abb. 1). Die soziale Krankenversicherung (KV) ist dabei die wichtigste Finanzierungsquelle. Als Rechtsgrundlage dient der Sozialversicherung (SV) nicht nur ein einheitliches österreichisches Gesetz, sondern je nach Versicherungsträger unterschiedliche.

Die Einnahmen der SV ergeben sich aus Beiträgen von Versicherten, der Ausfallhaftung des Bundes und sonstigen Einnahmen (Abb. 1).

Abb. 1: Einnahmen der SV im Jahr 2008. Gesamteinnahmen 45.256 Mio € bzw. 100% (Quelle: Handbuch der österreichischen Sozialversicherung 2009).

Die Versorgung im Krankheitsfall erfolgt durch die gesetzliche Krankenversicherung auf Basis einer Pflichtversicherung. Die Struktur der österreichischen SV ist in Tabelle 1 dargestellt.

Hauptverband der österreichischen SV-Träger

Unfallversicherung

Krankenversicherung

Pensionsversicherung

AUVA –

Allgemeine Unfallversicherungsanstalt

9 Gebietskrankenkassen (GKKs)

6 Betriebskrankenkassen

(BKKs)

PVA - Pensionsversicherungsanstalt

SVA der gewerblichen Wirtschaft

Versicherungsanstalt für Eisenbahn und Bergbau (VAEB)

Sozialversicherungsanstalt der Bauern (SVB)

VA öffentlich Bediensteter (BVA)

VA d. österr. Notariats

Tabelle 1: Struktur der Sozialversicherungsträger in Österreich

2. Gründe für die finanzielle Lage der Krankenversicherungsträger – Unterschiede zwischen nationalen und regionalen Trägern

Bevor auf die finanziellen Unterschiede zwischen den KV-Trägern eingegangen wird, wird darauf hingewiesen, dass die österreichischen Krankenversicherungsträger allgemein mit einer steigenden Unterfinanzierung konfrontiert sind. Als Ursachen dafür können Maßnahmen des Gesetzgebers zu ungunsten der Krankenversicherungen (z.B. Ersatz der Vorsteuerabzugsfähigkeit für GKKs durch einen Pauschalbetrag, Unterdeckung beim Wochengeld oder Neuregelung der Spitalsfinanzierung), Beitragseinnahmenerosion aufgrund sinkender Lohnquoten sowie steigende Medikamentenaufwendungen genannt werden.

In vielen Studien ist bewiesen, dass Schichtzugehörigkeit, sozialer Status und Bildung wesentliche Gesundheitsdeterminanten darstellen. Die Zugehörigkeit zu einem Krankenversicherungsträger in Österreich erfolgt primär über Berufsgruppen. Bundesbedienstete sind beispielsweise bei der BVA versichert, Angestellte, Arbeiter oder auch Hilfsarbeiter im Normalfall bei den GKKs. Es ist davon auszugehen, dass es sich bei Letztgenannten häufiger um Versicherte mit niedrigerem Einkommen, geringerer Bildung und benachteiligten sozialen Verhältnissen handelt. Daraus resultieren auch gesundheitliche Unterschiede, die Auswirkungen auf Umfang und Häufigkeit der Inanspruchnahme haben und eine vermehrte finanzielle Belastung der regionalen KV-Träger mit sich bringen.

Die Inanspruchnahme von Leistungen ist aufgrund des solidarischen Prinzips in Österreich nicht beschränkt, somit können alle Versicherten alle Leistungen in Anspruch nehmen. Wie bereits angeführt, weisen sozial benachteiligte Personen, die großteils bei den GKKs versichert sind einen schlechteren Gesundheitszustand auf und beanspruchen dadurch mehr Gesundheitsleistungen.

Unterschiede lassen sich auch im Hinblick auf die Staffelung der Beiträge pro Versicherte/n feststellen sowie auf deren verlässliche Zahlung. GKKs sind auf die Beiträge von Unternehmen angewiesen, die oft nicht dieselbe zuverlässige und termingerechte Zahlung aufweisen wie es etwa bei öffentlichen Institutionen der Fall ist.

Einen Hinweis auf die unterschiedliche finanzielle Lage der KV in Österreich gibt das Zuzahlungsschema im ambulanten Versorgungsbereich: Versicherte der nationalen Träger (BVA, SVA etc.) leisten pro erbrachter Behandlung eine Zuzahlung zwischen 14 % und 20 %, diese entfällt bei den regionalen Trägern zur Gänze.

Besonders GKKs sind aufgrund gesetzlicher Maßnahmen bzw. Unterlassungen finanziell benachteiligt und Finanzierungsprobleme sind nicht rein auf eine Leistungsexplosion zurückzuführen. So gibt es ein bedeutendes Ungleichgewicht im Hebesatz für PensionistInnen zwischen GKK, SVA und SVB zu ungunsten der GKKs: Die Zahlungen der Pensionsversicherung (=fiktiver Dienstgeber) an die KV decken nicht die Kosten, die PensionistInnen verursachen.

Im Jahr 2001 wurden die Beiträge für die KV der Arbeitslosen erneuert (Deckelung der Krankenversicherungsbeiträge), was zu Mindereinnahmen führte. Besonders betroffen sind GKKs davon aufgrund ihrer Versichertenstruktur.

Weiters kam es in den letzten Jahren zu einer Umschichtung der Vertragsbediensteten weg von den GKKs hin zur finanziell gut gestellten BVA – ein weiterer Rückgang sicherer Einnahmen.

3. Gründe für die finanzielle Lage der Krankenversicherungsträger – Unterschiede zwischen den regionalen Trägern (GKKs)

Unterschiede in der Finanzlage der KV gibt es auch zwischen den regionalen Trägern.

So lassen sich im Bundesländervergleich von Oberösterreich (OÖ) und Wien ökonomische Unterschiede in der Inanspruchnahme der ärztlichen Leistungen feststellen. Diese ist in OÖ z.B. ökonomischer als in Wien; auch werden in der Bundeshauptstadt verschiedene ÄrztInnen konsultiert, was wiederum zu einer stärkeren Kostenbelastung führt.

Auch Tarife mit den VertragspartnerInnen (z.B. den ÄrztInnen) zwischen den Trägern sind verschieden geregelt. Am Beispiel OÖ ist zu erkennen, dass sich eine gesetzte Honorarsummengrenze 2006 mit 28,8 Mrd. ??? preisreduzierend auswirkte.

Weitere Gründe für Finanzierungsunterschiede sind ungünstige Pauschalierungen und eine unterschiedliche Ärztedichte in den Regionen.

Der bereits in Absatz 2 dargestellte Unterschied im Klientel eines Versicherungsträgers lässt sich auch auf die Regionen übertragen. Denn auch die regionale Zusammensetzung der Bevölkerung trägt wesentlich zu Unterschieden in der finanziellen Lage der Krankenversicherungen bei – so hatte Wien im Vergleich zu OÖ grundsätzlich einen höheren PatientInnenanteil zu verbuchen sowie deutlich höhere Ausgaben im Bereich der Heilmittel zu verzeichnen. In diesem Zusammenhang soll auch darauf hingewiesen werden, dass höhere Krankheitsraten bzw. schwerere Erkrankungen zu einem intensiveren Bedarf an technischen Untersuchungen führen, die wiederum mit einer Kostensteigerung pro Krankheitsfall verbunden sind. Österreichweite Behandlungsrichtlinien oder standardisierte Diagnosen sind derzeit nicht vorhanden.

Neben den Pflichtleistungen einer KV besteht auch die Möglichkeit, Versicherten Zuzahlungen und freiwillige Leistungen zu gewähren. Auch in diesem Punkt gibt es neben den unterschiedlichen Darstellungen der finanziellen Situation österreichweit keine einheitliche Regelung.

Nicht zuletzt soll darauf hingewiesen werden, dass aufgrund des Föderalismus in Österreich auch die Leistungskataloge der einzelnen Träger unterschiedlich gestaltet sind. Damit verbunden sind auch unterschiedliche Beitragssätze bzw. Kostenbeteiligungen und in weiterer Folge Unterschiede in der Finanzlage.

4. Schlussbemerkung und Resümee

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Unterschiede im Hinblick auf das Klientel der einzelnen Träger (dadurch bedingt eine unterschiedliche Inanspruchnahme von Leistungen), divergierende Vertragsausgestaltungen mit den PartnerInnen oder Diversitäten in den Leistungskatalogen sowie unterschiedliche gesetzliche Bestimmungen als die zentralen Gründe für die finanziell unterschiedliche Lage der KV-Träger in Österreich benannt werden können.

Abschließend soll festgehalten werden, dass mögliche – auch längerfristig wirksame –  Ansatzpunkte sowohl gesetzliche Veränderungen als auch multisektorale Maßnahmen beinhalten sollten und reine „Finanzspritzen“ nur kurzfristige Erfolge bringen.

Letzte Änderung am Sonntag, 29 Juni 2014 19:51

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